White House under Attack

Das einzige Alien des Films White House Down (USA 2013) ist im Film nicht zu sehen: Roland Emmerich, der (deutsch-schwäbische) Regisseur. Es ist ja nicht unbekannt, dass Immigranten (legal aliens auf Englisch), gerade die, die in die USA eingewandert sind, die größten Arschkriecher sind, was das Fahnenküssen betrifft. Und natürlich hat auch Emmerich das Seine dazu beigetragen, um herzlichst in die Riege dieser Arschlöcher aufgenommen zu werden. Universal Soldier (1992) sei hier nur erwähnt, denn näher darauf einzugehen, könnte selbst mir – dem in filmischen Zynismen Abgehärteten – die Schädeldecke sprengen. Nur ein bisschen anders gelagert ist der Fall bei Independence Day (1996): Ein übler, ein ganz übler Film, ohne Frage, aber dennoch einer der letzten wirklich guten Alien-Invasionsfilme (und das war völlig Ernst gemeint). Danach ging’s hauptsächlich bergab in diesem Genre. Und wer hätte sich seinerzeit vorstellen können, dass das überhaupt möglich ist?

Aber Emmerich konnte auch anders, was er in Godzilla (1998) unter Beweis stellte, als er seinen New Yorker Bürgermeister hitzig bemerken lässt, dass die „Militärheinis“ bei der Verteidigung New Yorks mehr Schaden angerichtet hätten als zuvor das Monster bei seinem Amoklauf. Und noch einmal in The Day after Tomorrow (2004), wo er US-amerikanische Bürger filmisch dazu zwang, nach Mexiko zu flüchten (und damit die Realität umkehrte). Er hatte und er gab sich danach nicht mehr viele Gelegenheiten, gegen den herrschenden (nicht nur) US-amerikanischen Mainstream anzugehen. Denn die Zeiten sind härter geworden. Der War on Terror umfasst mittlerweile alles und jeden. Bekanntlich ist niemand mehr davor gefeit, als Terrorist verdächtigt zu werden.

White House Down beginnt mit einem netten Touristenrundgang durch das Weiße Haus, aus dem aber sehr schnell ein Terroristen-Angriff wird. Während die amerikanischen Medien die Angreifer natürlich für „Araber“ halten, wissen wir als Zuschauer sehr schnell, dass diese Einschätzung ein bisschen zu vorschnell ist, denn die Emmerich’schen Terroristen sind Amerikaner (sowie Söldner in ihren Diensten) mit ultrarechten Ansichten, die alles Nichtamerikanische für amerikafeindliche Umtriebe halten. Emmerich nimmt also die (auch hier nicht nur) US-amerikanische, vornehmlich islamistisch vorgestellte Terroristenhysterie aufs Korn. Leider handelt Emmerich das nur en passant ab, erstickt die eh nur sehr leise Kritik in wüster Action, offenbar im zwanghaften Bemühen, das filmische Independence Day, wo ja das Weiße Haus ebenfalls zerstört wurde, oder das reale Nine Eleven zu übertreffen. Das durchgeknallte Drehbuch (James Vanderbilt) reiht einen Action-Turn an den nächsten, wobei sich die Leichen bedenklich schnell anhäufen, bis es am Ende zum drohenden Nuklearangriff der Terroristen kommt. Dass der letztlich verhindert wird, ist nicht weiter überraschend. Leider wohl auch nicht, dass beim Verlassen des Kinos vor allem die Erinnerung an einen im Handlungsablauf wenig glaubwürdigen Actionstreifen bleibt.

Fazit: Wüstes Geballere, dem der Mut fehlt beziehungsweise sehr schnell wieder abhanden kommt. Besser hätte es (vielleicht) werden können, wenn Roland Emmerich ein bisschen mehr seinen Alien-Status ins Spiel gebracht hätte.

Europa Report

Der Europa Report (USA 2013) berichtet von der Mission des Raumschiffs Europa One, das in näherer Zukunft mit einer 6-köpfigen Besatzung Richtung Jupitermond Europa aufbricht. Europa gilt (auch in unserer Gegenwart) als einer von zwei verbliebenen Himmelskörpern im Sonnensystem, auf denen so etwas wie primitives Leben entstanden und auch heute noch existieren könnte (der zweite, allerdings weniger vielversprechende Kandidat ist Titan, ein Mond des Saturn). Europa ist etwas kleiner als der Erdmond, hat aber eine etwas größere Masse als dieser. Die Oberfläche, auf der es kaum Erhöhungen gibt, ist mit einer dicken Eisschicht bedeckt, unter der ein riesiger Wasserozean vermutet wird. Und „überall“, so ein Wissenschaftler des Projekts, „wo wir bislang Wasser fanden, da fanden wir auch Leben“.

Nach dem Start von Europa One „verfolgte die Welt für mehr als sechs Monate jeden einzelnen Augenblick“ der Mission. Dann reißt, für 15 Stunden, der Kontakt ab. Der Film nutzt das sozusagen für eine (erste) Rückblende: Man sieht den Missionsverlauf vom Start der Rakete, die die Besatzung zum Raumschiff Europa One bringt, das offenbar im Erdorbit zusammengebaut wurde, bis zu dem Moment, wo die Kommunikation mit der Erde zusammengebrochen ist. Dabei verfolgt man das Geschehen sowohl im Raumschiff als auch das in Mission Control oder bei Pressekonferenzen auf der Erde.

Nach fast 20 Minuten Filmzeit kommt man wieder bei dem Moment an, wo der Kontakt zur Erde abriss. Es folgt zunächst eine erneute Rückblende, die uns die an der Mission beteiligten Astronauten etwas näher vorstellt. Die gezeigten Clips erinnern stark an entsprechende NASA-Texte und/oder -Filmchen. Das wirkt nicht sehr originell (und ist es auch nicht), aber die Schauspieler treffen exakt den Ton (auch ihre Sprecher in der deutschen Synchro), der sie nicht so klingen lässt, als würden sie Astronauten, Wissenschaftler oder Techniker im O-Ton nachahmen. Und Drehbuch (Philip Gelatt) und Regie (Sebastián Cordero) unterstützen sie da auch (noch). Auch das Pathos klingt da noch überzeugend: „Sollte da Leben existieren auf Europa“, so eine Astronautin, „dann wäre das mit Abstand die bedeutendste Entdeckung der Menschheitsgeschichte.“ Das erinnert ein wenig an Allie Arroway in Contact. Auch ansonsten klingt das glaubwürdig und sieht auch so aus, wie man sich eine bemannte Mission vorstellt und wie man ja auch schon viele gesehen hat: sowohl filmisch (von 2001 bis Marooned, von Apollo 13 bis Gravity) als auch realiter (etwa Apollo oder ISS).

Aber zunehmend sieht und hört man auch, dass man das alles schon tausendmal gesehen und gehört hat. Und vor allem: dass der Film nichts Neues oder Originelles oder auch nur irgendetwas Anderes hinzufügen kann. Es wird viel geredet von der Schönheit und Stille des Weltraums, vom Sinn des Lebens im Allgemeinen und vom erhabenen Forscherdrang des Menschen. Im Handlungsfaden darf natürlich auch der bei solchen Filmen schon fast obligatorische Todesfall bei einem Außenbordmanöver nicht fehlen. Alles das wird erzählt aus der Perspektive diverser Bordkameras, auch wenn dieses Footage-Prinzip nicht ganz so penetrant durchgezogen wird wie in Cloverfield oder Apollo 18, lässt es den Film doch immer mehr zerfasern. Noch schlimmer ist, dass die imgrunde sehr einfache Geschichte – Forscher brechen auf, um das erste Leben außerhalb der Erde zu finden – in immer neuen, teilweise ineinander verschachtelten Rückblenden ausgebreitet wird. Da entsteht schon der Eindruck, als habe Sebastián Cordero die Schlichtheit der Story mit komplizierter Schnittfolge aufgemotzt, damit’s am Ende nicht ganz so simpel daherkommt.

Unangenehm fällt auch die völlig abstrichlose Verherrlichung des menschlichen Forschergeistes auf, der immer wieder beschworen wird. „Verglichen mit dem Wissen, das es zu entdecken gilt“, fragt eine Astronautin rhetorisch, „was bedeutet da dein Leben?“ Ist das so? Zählt ein Menschenleben wirklich nichts mehr, wenn nur der erwartete Erkenntnisgewinn groß genug ist?

Fazit: Der Film hat durchaus seine großen Momente, etwa die ersten 20 Minuten oder die Totalaufnahmen des Jupitermondes Europa (zusammenmontiert aus realen Aufnahmen der NASA, die dem Regisseur das Filmmaterial zur Verfügung stellte), verfranzt sich aber am Ende in einer unnötig komplizierten Schnitttechnik, die nicht der Story dient, sondern eher ihrer Verschleierung.

Ergänzung: Vor einigen Wochen wurde in der wirklichen Welt von der europäischen Weltraumagentur ESA die Finanzierung von JUICE genehmigt. Der Start der (unbemannten) Mission ist für das Jahr 2022 geplant. Es sollen alle vier großen Jupitermonde, also auch Europa, näher untersucht werden.

In Deutschland wurde der Europa Report am 22. Oktober 2013 als DVD veröffentlicht (im Kino wurde er nicht gezeigt). Einen deutschen Trailer gibt es hier. – Erwähnt sei auch noch, dass bei praktisch allen Rezensenten der Film sehr viel besser wegkommt als hier, zum Beispiel bei dem hier oder auch dem hier.