After Earth

Es gibt zahllose Filme, die Söhne im Clinch mit ihren Vätern zeigen und es gibt mindestens genauso viele Filme, die zeigen, wie man zum Helden wird (indem man zum Beispiel seine Angst überwindet, was ja geradezu ein filmischer Standardtopos ist). In After Earth (USA 2013) verbindet der Regisseur M. Night Shyamalan das Heldentum mit einem Vater-Sohn-Konflikt.

General Cypher Raige ist ein Militär durch und durch, was schon sein Name ausdrückt: Der Vorname Cypher steht für Ziffer oder Chiffre, aber vor allem für Vorgänge, die sich zyklisch, das heißt geistlos wiederholen. Und der Nachname Raige wird ausgesprochen wie rage = Wut, wobei das i, das nicht gesprochen wird, vielleicht seine unterdrückte Wut symbolisiert, die in ihm ist. In Verbindung vielleicht mit seiner Schweigsamkeit, denn Worte sind nicht sein Ding, sondern – wie das einem Helden ja auch zukommt – Taten, die er vollbringt. Und so wird in dem Film sehr wenig gesprochen, was eher ungewöhnlich (aber durchaus wohltuend) ist für Filme aus Hollywood .

Vor etwa 1000 Jahren war die Erde so verseucht, dass der Menschheit keine andere Wahl mehr blieb, als den Planeten zu wechseln: Man besiedelt Nova Prime, der sich jedoch nicht als unbewohnt erweist. Die Aliens schicken die Ursas los, „Monster“, eigens dafür gezüchtet, Menschen über den Geruch ihres Angstschweißes aufzuspüren und zu töten. Die Gegenwaffe der Neusiedler sind die Rangers: Menschen, die keinerlei Angst verspüren, daher von den Ursas unangreifbar sind. General Raige ist einer dieser Ranger, naja: nicht irgendeiner, sondern natürlich der beste. Ein Superschlächter ohne jede Angstempfindung – also quasi per definitionem ein Superheld. Allerdings einer, der Ermüdungserscheinungen zeigt. Nach dem Einsatz, mit dem der Film beginnt (die Beaufsichtigung eines Trainingslagers für Ranger), will er sich zur Ruhe setzen. Doch stürzt das Raumschiff, das ihn samt seinem Sohn ins Lager bringen soll, auf dem Weg dorthin ab. Es gibt nur drei Überlebende: Raige (schwer verletzt), sein Sohn Kitai und ein Ursa, der sich als Gefangener an Bord befunden hat. Der Planet, auf dem sie abstürzen, ist ausgerechnet die Erde, die die Menschheit vor 1000 Jahren verlassen musste: „Jede einzelne Entscheidung, die du triffst, bedeutet Leben oder Tod“, schärft Raige seinem Sohn nach der Havarie ein. „Das ist ein Kategorie-1 Quarantäre-Planet. Alles auf diesem Planeten ist dazu mutiert, Menschen zu töten.“

Die Belehrung ist nötig, weil Kitai das havarierte Schiff verlassen muss, um einen Notfallsender am Heck des Schiffs zu finden, 100 Kilometer von ihrem Standort entfernt. Das Ding ist „silberfarben“ und sieht aus „wie ein Raumschiff“ (genau genommen wie die Enterprise). „Du musst“, so Raige, „diesen Notfallsender finden, sonst werden wir sterben.“

Junior macht sich also auf den Weg, ständig unter den Augen (durch Kameras) sowie unter medizinischer Überwachung (durch Sensoren) des Vaters, der wegen seiner Verletzung die Brücke am Bug des Schiffs nicht verlassen kann. Allein das ist für den Junior schon eine schwierige Situation. Noch schwieriger machen es seine Begegnungen mit der einheimischen, das heißt terrestrischen Fauna. Immer sind sie mit Angst verbunden. Er weiß nie, ob er nur eingeschüchtert werden soll oder gleich totgeschlagen und/oder gefressen wird. Senior ist im Hintergrund hilfreich, indem er dem Sprössling sein unbedingtes Credo einhämmert: „Angst ist nicht real … Gefahr ist sehr wohl real. Aber Angst ist eine Entscheidung.“ Mit diesem Spruch – Angst ist eine Entscheidung – wurde der Film auch beworben.

Auch wenn dieser Satz im Film nur einmal ausgesprochen wird, so gibt er ihm doch den ständig mithämmernden Rhythmus vor. Höhepunkt ist, wie der Ursa, der den Absturz natürlich überlebt hat, über Kitai hinweglatscht ohne ihn zu bemerken, weil Junior am Ende endlich den Status des gefühlskalten Helden erreicht hat. Als solcher schlachtet er den Ursa dann selbstverständlich ab. Was der Film quasi als seine Mensch- bzw. Mannwerdung feierlich inszeniert.

Fazit: Streckenweise überwältigende Bilder und Szenen, deutlich inspiriert von Avatar (wenn sie daran auch nie ganz heranreichen), vor dem Hintergrund einer (zumindest) dünnen Story mit einer (äußerst) fragwürdigen Moral.

After Earth ist ein Film, an dem sich offenbar die Geister scheiden: Zwar bemängeln die meisten Rezensenten seine zweifelhafte Heldenmoral, doch tun sie das dann meistens mit dem extrem enervierenden Hinweis, dies sei ideologische Propaganda für Scientology, nur weil der Hauptdarsteller (Will Smith) ein paar Mal dieser amerikanischen Religionsgemeinschaft (hierzulande meist Sekte genannt) größere Spenden hat zukommen lassen. Besonders penetrant wird das hier und hier betrieben (da spielt der Film selbst kaum noch eine Rolle). Auf der anderen Seite hat der Film aber auch Fans, die ihr Lob dann aber auch gleich wieder hymnisch übertreiben (wie etwa der hier).