Edge of Tomorrow

Wann ist er gestorben? Wo?
Am Strand. Morgen.

Wieder einmal muss die Menschheit ran: In der Operation Downfall – Untergang – stemmt sie sich gegen denselben. Bereitet soll er ihr von den Mimics werden, Aliens, die eigens zu diesem Zweck – es ist offenbar ihr einziges Lebensziel, Planeten zu erobern – woher auch immer auf der Erde eingefallen sind. Doch Downfall ist keine Operation, die die Menschheit gestartet hat – das glaubt sie nur: Es ist eine Falle, ein Hinterhalt der Aliens. Allerdings kein gewöhnlicher, sondern einer, der die menschheitlichen Streitkräfte, zusammengefasst in der UDF (United Defense Force), nicht nur an einen Ort führt, an dem sie in ihr Verderben rennen soll, sondern immer wieder dorthin führt, denn die Aliens können die Zeitlinie manipulieren.

Wer jetzt aber glaubt, dass Edge of Tomorrow (USA 2014) ein Film ist, der sich in einer komplizierten Zeitreise-Geschichte verliert (was bei solchen Geschichten ja häufig passiert), der irrt. Doug Liman (Regie) sowie Christopher McQuarrie, Jez und John-Henry Butterworth (Drehbuch, nach einem Kurzroman des japanischen Science-Fiction-Autors Hiroshi Sakurazaka) liefern einen gradlinigen Action-Film ab, der die nötigen Erklärungen wohldosiert und immer an den richtigen Stellen einfügt. Der Handlungsfaden des Films geht dabei nie verloren und läuft strikt auf den (allerdings absehbaren) Showdown zu.

Die Ausgangslage wird in den ersten Minuten anhand von Nachrichtensplittern vermittelt: Die Aliens haben ihren Krieg gegen die Menschheit in Europa angefangen – Deutschland und Frankreich gingen als erstes „verloren“ – und befinden sich auf dem Vormarsch auf London. Unaufhaltsam, denn „ein Feind, der die Zukunft kennt, kann nicht verlieren“. Außer natürlich, der Angegriffene findet einen Weg, ebenfalls Zugriff auf die Zeitlinie zu finden.

Genau das gelingt – zunächst unbeabsichtigt und unwissentlich – William Bill Cage, PR-Mann und seines Zeichens Drückeberger, der sich so gar nicht direkt an der Front sieht, wohin ihn General Brigham aber, wenig einsichtig, abkommandiert. Bei seinem ersten Kampfeinsatz im Rahmen der Operation Downfall – seine Einheit wird, „am Strand“, von den Aliens erwartet und fast vollständig ausgelöscht – tötet er ihm letzten Moment ein Alien, bevor es ihn töten kann. Dabei kommt er in Kontakt mit Alien-Blut. Und das ändert alles – für ihn persönlich ebenso wie für den Ablauf des gesamten Krieges. Aliens agieren nicht als Individuen, sondern als einziger Organismus, und das Alien, das Cage tötet, ist ein Alpha-Exemplar mit Zugriff auf die Zentraleinheit (gleichsam das Gehirn) aller Aliens. Dieses Gehirn – wenig originell als Omega bezeichnet – befindet sich an einem unbekannten Ort und steuert die Zeitlinie. Immer, wenn die Alien-Armeen in Bedrängnis geraten, setzt das Omega die Zeit zurück, lässt den Tag also von vorn beginnen, was es den Aliens ermöglicht, alle Verteidigungsstrategien der Menschheit erfolgreich zu kontern.

Durch das Blut des Alpha-Aliens geht die Fähigkeit, die Zeit immer wieder zurückzusetzen, auf Cage über. Aber nur, wenn er im Einsatz stirbt. Wird er gerettet und erhält dabei beispielsweise eine Bluttransfusion, geht sie verloren. Darauf bezieht sich der martialische Slogan, mit dem der Film beworben wird: „Live. Die. Repeat.“

Bei seinem Kampf gegen Aliens und die Zeit trifft Cage, der für nichts, was mit ihm geschieht, eine Erklärung hat, auf Rita Vrataski, eine Kämpferin und Kriegsheldin – Nickname „Full Metal Bitch“ oder auch, respektvoller, „Der Engel von Verdun“ –, die sofort erkennt, über welche Fähigkeiten er verfügt. Denn sie selbst hatte sie, vor Verdun, ebenfalls. Sie konnte eine Menge Menschen retten – bis sie selbst gerettet wurde. Dann war es damit vorbei und die Schlacht (sowie Frankreich) ging verloren.

Fortan nehmen sie es gemeinsam mit dem Feind auf. Ziel ist es, das Omega zu finden und zu zerstören. Startpunkt ist der Strand. Anfangs kommen sie nicht sehr weit: Immer wieder sterben sie, immer wieder beginnt die Schlacht von Neuem, immer wieder wird sie verloren. Aber bei jedem Durchgang kommen sie, da er ja weiß, was sie quasi an der nächsten Biegung erwartet, ein Stückchen weiter. Nebenher trainiert sie ihn, an Maschinen, die die Kampftechnik der Aliens simulieren. Verletzt er sich dabei, bricht sich etwa ein Bein, springt sie hilfreich ein und tötet ihn. Was ihr nicht sehr schwer fällt, da er für sie stets ein Fremder bleibt. Nur er ist es, der sich an die vergangenen Durchläufe erinnern kann. Woraus der Film auch eine Menge Komik bezieht, da auch alle anderen im Film nicht wissen, dass Cage (und der Zuschauer) weiß, was gleich passieren wird.

Dutzende, Hunderte von Malen durchläuft der Film immer wieder den gleichen Tag, die gleichen Ereignisse, die gleichen Niederlagen und Tode. Viele werden gezeigt, andere nur angedeutet. Der Film arbeitet sich sozusagen durch einen Wust von Wiederholungen und fügt dabei immer ein Stück Neuigkeit hinzu. Gerade so viel, dass man als Zuschauer dabei bleibt. Und auch nicht ermüdet. Bis nach über anderthalb Stunden schließlich das Omega gefunden wird – es befindet sich in der Eingangspyramide des Louvre im entvölkerten Paris – und der Showdown Mensch gegen Alien ins finale Stadium münden kann.

Fazit: Es ist ein (beinahe oscarwürdiges) Kunststück, wie das Drehbuch es fertig bringt, einen fast zweistündigen Action-Film, der zum Großteil aus Wiederholungen besteht, nicht öde oder kopflastig werden zu lassen. Vorzuwerfen ist dem Film allerdings, dass er keinerlei Substanz aufweist. Die einzige Botschaft, die er hat (und die ist öde): Der Feigling, der über sich hinauswächst und zum Helden wird.

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