Zero Gravity

The Last Push (USA 2013) – der deutsche Titel Zero Gravity ist wohl der Versuch, sich an den Erfolg von Gravity zu hängen –, schickt eine weitere bemannte Mission zum Jupitermond Europa. Diesmal nennt sie sich Life One, ein privat finanziertes Raumschiff mit zwei Mann Besatzung. Losgeschickt wurde es, um das Leben auf Europa, das eine NASA-Sonde auf Fotos festgehalten hat, vor Ort näher zu untersuchen. Auf dem gezeigten Foto sind schemenhaft zwei riesige Wale unter dem dicken Eispanzer Europas zu sehen. Laut Off-Stimme gaben diese „geisterhaften Bilder der Menschheit die Gewissheit, dass die Entstehung von Leben, wie wir es kennen, nicht auf die Erde beschränkt ist“. Life One wird also losgeschickt, um „zum ersten Mal seit den 1970er Jahren“ wieder „eine entfernte Welt zu betreten“.

Um auf diese Welt zu gelangen, muss Life One einen Umweg über die Venus (also in die entgegengesetzte Richtung) in Kauf nehmen: Beim Umfliegen des Planeten holt das Raumschiff Schwung und kann so energiesparend ins äußere Sonnensystem gelangen (was man ein Flyby-Manöver nennt). Doch kurz nach dem Flyby (nach 10 Minuten Filmzeit; Life One befindet sich auf dem Weg Richtung Erde, wo ein neuerliches Flyby durchgeführt werden soll), kommt es zu einer Kollision mit einem Meteoriten, bei dem (natürlich) einer der beiden Astronauten ums Leben kommt und das Schiff manövrierunfähig geschlagen wird. Im Grunde genommen ist das schon die gesamte Handlung des Films; die restlichen 70 Minuten bestehen daraus, wie Mission Control den übrig gebliebenen Astronauten durch emotionale Tiefs und ein paar technische Probleme Richtung Erde lotst.

Das könnte ja durchaus interessant, vielleicht sogar spannend sein. Aber leider würgen die Dialoge jedes Interesse immer wieder ab; sie sind einfach zu schlicht, zu absehbar, zu gewollt pathetisch. Unterboten werden sie allerdings noch von den dazwischen geschnittenen Interviews und Statements von irdischen Beobachtern der Mission (Techniker, Wissenschaftler, Zuschauer): Man hört praktisch nur völlig beliebige Plattheiten, die auch noch ständig wiederholt werden. Drehbuch und Regie (beide Eric Hayden, ein Special-Effects-Mann, der hier seinen ersten Film produzierte) gelingt es zu keinem Zeitpunkt, über ein paar Grundeinfälle hinauszukommen.

Auch die menschliche Neugier wird natürlich, wie schon im Europa Report, gehörig beschworen, vor allem mit nervigen Allerwelts-Phrasen, die jeden Tiefgang konsequent verweigern. Und der Schluss, der die menschliche Suche nach Erkenntnis illustrieren soll – Life One erreicht die Erde, der Astronaut entschließt sich aber eigenmächtig, nicht zu landen, sondern die Reise nach Europa fortzusetzen – verpufft in sülziger Musik und noch mehr Phrasen (da reißt auch T. S. Eliot nichts mehr heraus, der zitiert wird).

Fazit: Optisch macht der Film durchaus Einiges her (mit Ausnahme der Havarieszene, die aussieht, als stamme sie aus den 1970ern), aber dramaturgisch ist er hauptsächlich eine Aneinanderreihung von Durchhängern. Streckenweise ist eine Yoga-Session erheblich stressiger als dieser Film. Und bietet (nicht immer, aber bei regelmäßigem Üben immer öfter) sogar mehr Erkenntnis.

Der Film erschien am 28. März 2014 auf DVD und BD. Auf einen Kinostart wurde verzichtet. Oft wurde der Film nicht rezensiert, aber hier findet sich immerhin eine positive Bewertung (die in fast allem gegenteiliger Ansicht ist als der Alienator und ihn mit 7 von 10 Punkten bewertet).

Pacific Rim

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Nachdem Pacific Rim (USA 2013, Regie: Guillermo del Toro) mit diesem Insert gleich am Anfang die sprachlichen Fronten abgesteckt hat – keine Alltäglichkeit: ein japanisches und ein deutsches Wort, die gleichsam die Hauptrolle in einem US-amerikanischen Actionfilm spielen (bzw. das, was sie benennen) –, geht es noch fulminanter weiter: Es wird der Einsatz eines „Jaegers“ gegen ein Kaiju, ein Monster, gezeigt, der in einer totalen Niederlage, einer bedingungslosen Kapitulation, wenn man so will, endet.

Kaijus sind wolkenkratzergroße Aliens, die allerdings nicht von daher kommen, wo Aliens für gewöhnlich herkommen. Man hat schlicht „in die falsche Richtung“ geschaut, denn die Kaijus kommen nicht aus dem All, sondern „aus den Tiefen des Pazifischen Ozeans, aus einer Spalte zwischen zwei tektonischen Platten: einem Portal zwischen den Dimensionen“. Dieses Portal wird Breach genannt. Das erste Kaiju kam in San Francisco zur Erdoberfläche, und „als Panzer, Kampfjets und Raketen es sechs Tage später und 35 Meilen weiter zur Strecke brachten, lagen drei Städte in Trümmern, zehntausende Leben waren ausgelöscht“. Und dann erfolgte, „nur sechs Monate später“, der Angriff auf Manila; es folgte ein dritter, ein vierter; „und dann wurde uns klar: Es würde nicht aufhören, das war nur der Anfang. Wir brauchten eine neue Waffe …“

Und das sind die Jaeger: Humanoide Roboter, ebenfalls wolkenkratzergroß, die aber über kein eigenes neuronales Zentralorgan (sprich Gehirn) verfügen, sondern von Menschen, die sich in ihrem Brustkorb befinden, gesteuert werden müssen. Ihre schiere Größe und damit verbundene Komplexität erfordert stets zwei Menschen als „Steuerleute“, deren Gehirne zudem zusammengeschaltet werden müssen. Gehirne in diesem Zustand befinden sich im Drift. Zwei Menschen im Drift sind aber wie ein Mensch: Alles, was der eine fühlt und denkt, denkt und fühlt auch der andere.

Genau das wird – beim einleitenden viaskösen Jaeger-Einsatz – Raleigh Becket zum Verhängnis. Mit seinem Zwillingsbruder sitzt er im Jaeger Gypsy Danger, und versucht, einen Kaiju-Angriff zurückzuschlagen. Ohne Erfolg. Sein Bruder wird getötet, ihm mitten im Drift aus dem Gehirn gerissen.

Fünf Jahre später – nachdem auch Lima, Seattle, Wladiwostik verloren gingen – wird das Jaeger-Programm offiziell beerdigt und ersetzt durch den Bau einer gigantischen Mauer (der „Wall of Life“), die den Breach abriegeln soll, damit er nicht mehr als Einbruchstor für die Aliens dienen kann, und Raleigh heuert bei diesem Mauerbau an. Aber das ist natürlich kein Job für Helden (sondern für harte Malocher), weshalb er sich gern von Stacker Pentecost, dem Leiter des einstigen Jaeger-Programms, abwerben lässt. Der reanimiert nämlich die Jaeger, allerdings nicht mehr als militärisch geführte Einheit, weshalb gilt: „Wir sind keine Armee mehr, Mr. Becket. Wir sind der Widerstand.“

Und einen Plan hat er (natürlich) auch: „Wir greifen den Breach an, Mr. Becket. Wir schnallen einen thermonuklearen Sprengkopf von 1200 Kilo auf Strikers Rücken.“ Striker Eureka ist ein Jaeger der 5., der neuesten Generation. Und Becket im alten Gypsy Danger (3. Generation) sowie zwei weitere Jaeger sind quasi als Strikers Schutzwall eingeplant. Alle diese Jaeger sind Restbestände; mehr als vier insgesamt stehen nicht mehr zur Verfügung.

Als Beckets Drift-Partner wird nach langem Gewürge Mako Mori erkoren. Aber stolz darauf, auch wenn das im Film so dargestellt wird, sollte sie – wäre Pacific Rim die wirkliche Welt – nicht sein. Zum einen ist sie (natürlich) das frühkindliche Opfer eines Kaiju-Angriffs und wurde von Stacker Pentecost gerettet, als der noch selbst Jaeger-Pilot war, und später auch adoptiert. Damit wird erklärt – hoch lebe die Film-Psychologie! –, weshalb er sich so lange zierte, ihr einen Jaeger anzuvertrauen. Zum anderen bewährt sie sich in einer (vermeintlich) asiatischen Kampfsportart gegen Raleigh. Vermeintlich, weil die geschilderte Taktik reichlich simpel und die inszenierte Geschwindigkeit (wie bei Hollywood-Filmen leider keine Seltenheit) viel zu langsam ist. Da strickt der Alienator seine Söckchen wesentlich schneller …

Der Plan geht jedoch beim ersten Versuch schief: Zwei Jaeger werden von den Kaijus zerstört; Striker Eureka kann seine Bombe nicht zum Einsatz bringen. In einem völligen Fiasko endet die Mission nur deshalb nicht, weil Becket und Mako Mori im Gypsy Danger, der im Unterschied zu den anderen Jaegern „analog und thermonuklear“ ist, zur rechten Zeit eingreifen können. Schon wieder also das Abfeiern des Analogen. Und Gypsy Danger ist es natürlich auch, der am Schluss den Breach und damit die Aliens endgültig, radikal, ein für allemal plattmacht. Noch ein bisschen Helden-Gefeiere, dann nach über 2 Stunden der Abspann.

Fazit: Es gibt viel zu sehen (Action) und zu hören (ebenfalls Action). An der Ästhetik des Films gibt es nichts zu bekritteln, außer vielleicht, dass er einen Tick zu schrill und laut ist. Für zwei vergnügliche Stunden reicht das – für mehr aber auch nicht. Auf keinen Fall sollte man den Fehler des Alienators wiederholen und zu viel über diesen Film nachdenken …

After Earth

Es gibt zahllose Filme, die Söhne im Clinch mit ihren Vätern zeigen und es gibt mindestens genauso viele Filme, die zeigen, wie man zum Helden wird (indem man zum Beispiel seine Angst überwindet, was ja geradezu ein filmischer Standardtopos ist). In After Earth (USA 2013) verbindet der Regisseur M. Night Shyamalan das Heldentum mit einem Vater-Sohn-Konflikt.

General Cypher Raige ist ein Militär durch und durch, was schon sein Name ausdrückt: Der Vorname Cypher steht für Ziffer oder Chiffre, aber vor allem für Vorgänge, die sich zyklisch, das heißt geistlos wiederholen. Und der Nachname Raige wird ausgesprochen wie rage = Wut, wobei das i, das nicht gesprochen wird, vielleicht seine unterdrückte Wut symbolisiert, die in ihm ist. In Verbindung vielleicht mit seiner Schweigsamkeit, denn Worte sind nicht sein Ding, sondern – wie das einem Helden ja auch zukommt – Taten, die er vollbringt. Und so wird in dem Film sehr wenig gesprochen, was eher ungewöhnlich (aber durchaus wohltuend) ist für Filme aus Hollywood .

Vor etwa 1000 Jahren war die Erde so verseucht, dass der Menschheit keine andere Wahl mehr blieb, als den Planeten zu wechseln: Man besiedelt Nova Prime, der sich jedoch nicht als unbewohnt erweist. Die Aliens schicken die Ursas los, „Monster“, eigens dafür gezüchtet, Menschen über den Geruch ihres Angstschweißes aufzuspüren und zu töten. Die Gegenwaffe der Neusiedler sind die Rangers: Menschen, die keinerlei Angst verspüren, daher von den Ursas unangreifbar sind. General Raige ist einer dieser Ranger, naja: nicht irgendeiner, sondern natürlich der beste. Ein Superschlächter ohne jede Angstempfindung – also quasi per definitionem ein Superheld. Allerdings einer, der Ermüdungserscheinungen zeigt. Nach dem Einsatz, mit dem der Film beginnt (die Beaufsichtigung eines Trainingslagers für Ranger), will er sich zur Ruhe setzen. Doch stürzt das Raumschiff, das ihn samt seinem Sohn ins Lager bringen soll, auf dem Weg dorthin ab. Es gibt nur drei Überlebende: Raige (schwer verletzt), sein Sohn Kitai und ein Ursa, der sich als Gefangener an Bord befunden hat. Der Planet, auf dem sie abstürzen, ist ausgerechnet die Erde, die die Menschheit vor 1000 Jahren verlassen musste: „Jede einzelne Entscheidung, die du triffst, bedeutet Leben oder Tod“, schärft Raige seinem Sohn nach der Havarie ein. „Das ist ein Kategorie-1 Quarantäre-Planet. Alles auf diesem Planeten ist dazu mutiert, Menschen zu töten.“

Die Belehrung ist nötig, weil Kitai das havarierte Schiff verlassen muss, um einen Notfallsender am Heck des Schiffs zu finden, 100 Kilometer von ihrem Standort entfernt. Das Ding ist „silberfarben“ und sieht aus „wie ein Raumschiff“ (genau genommen wie die Enterprise). „Du musst“, so Raige, „diesen Notfallsender finden, sonst werden wir sterben.“

Junior macht sich also auf den Weg, ständig unter den Augen (durch Kameras) sowie unter medizinischer Überwachung (durch Sensoren) des Vaters, der wegen seiner Verletzung die Brücke am Bug des Schiffs nicht verlassen kann. Allein das ist für den Junior schon eine schwierige Situation. Noch schwieriger machen es seine Begegnungen mit der einheimischen, das heißt terrestrischen Fauna. Immer sind sie mit Angst verbunden. Er weiß nie, ob er nur eingeschüchtert werden soll oder gleich totgeschlagen und/oder gefressen wird. Senior ist im Hintergrund hilfreich, indem er dem Sprössling sein unbedingtes Credo einhämmert: „Angst ist nicht real … Gefahr ist sehr wohl real. Aber Angst ist eine Entscheidung.“ Mit diesem Spruch – Angst ist eine Entscheidung – wurde der Film auch beworben.

Auch wenn dieser Satz im Film nur einmal ausgesprochen wird, so gibt er ihm doch den ständig mithämmernden Rhythmus vor. Höhepunkt ist, wie der Ursa, der den Absturz natürlich überlebt hat, über Kitai hinweglatscht ohne ihn zu bemerken, weil Junior am Ende endlich den Status des gefühlskalten Helden erreicht hat. Als solcher schlachtet er den Ursa dann selbstverständlich ab. Was der Film quasi als seine Mensch- bzw. Mannwerdung feierlich inszeniert.

Fazit: Streckenweise überwältigende Bilder und Szenen, deutlich inspiriert von Avatar (wenn sie daran auch nie ganz heranreichen), vor dem Hintergrund einer (zumindest) dünnen Story mit einer (äußerst) fragwürdigen Moral.

After Earth ist ein Film, an dem sich offenbar die Geister scheiden: Zwar bemängeln die meisten Rezensenten seine zweifelhafte Heldenmoral, doch tun sie das dann meistens mit dem extrem enervierenden Hinweis, dies sei ideologische Propaganda für Scientology, nur weil der Hauptdarsteller (Will Smith) ein paar Mal dieser amerikanischen Religionsgemeinschaft (hierzulande meist Sekte genannt) größere Spenden hat zukommen lassen. Besonders penetrant wird das hier und hier betrieben (da spielt der Film selbst kaum noch eine Rolle). Auf der anderen Seite hat der Film aber auch Fans, die ihr Lob dann aber auch gleich wieder hymnisch übertreiben (wie etwa der hier).

White House under Attack

Das einzige Alien des Films White House Down (USA 2013) ist im Film nicht zu sehen: Roland Emmerich, der (deutsch-schwäbische) Regisseur. Es ist ja nicht unbekannt, dass Immigranten (legal aliens auf Englisch), gerade die, die in die USA eingewandert sind, die größten Arschkriecher sind, was das Fahnenküssen betrifft. Und natürlich hat auch Emmerich das Seine dazu beigetragen, um herzlichst in die Riege dieser Arschlöcher aufgenommen zu werden. Universal Soldier (1992) sei hier nur erwähnt, denn näher darauf einzugehen, könnte selbst mir – dem in filmischen Zynismen Abgehärteten – die Schädeldecke sprengen. Nur ein bisschen anders gelagert ist der Fall bei Independence Day (1996): Ein übler, ein ganz übler Film, ohne Frage, aber dennoch einer der letzten wirklich guten Alien-Invasionsfilme (und das war völlig Ernst gemeint). Danach ging’s hauptsächlich bergab in diesem Genre. Und wer hätte sich seinerzeit vorstellen können, dass das überhaupt möglich ist?

Aber Emmerich konnte auch anders, was er in Godzilla (1998) unter Beweis stellte, als er seinen New Yorker Bürgermeister hitzig bemerken lässt, dass die „Militärheinis“ bei der Verteidigung New Yorks mehr Schaden angerichtet hätten als zuvor das Monster bei seinem Amoklauf. Und noch einmal in The Day after Tomorrow (2004), wo er US-amerikanische Bürger filmisch dazu zwang, nach Mexiko zu flüchten (und damit die Realität umkehrte). Er hatte und er gab sich danach nicht mehr viele Gelegenheiten, gegen den herrschenden (nicht nur) US-amerikanischen Mainstream anzugehen. Denn die Zeiten sind härter geworden. Der War on Terror umfasst mittlerweile alles und jeden. Bekanntlich ist niemand mehr davor gefeit, als Terrorist verdächtigt zu werden.

White House Down beginnt mit einem netten Touristenrundgang durch das Weiße Haus, aus dem aber sehr schnell ein Terroristen-Angriff wird. Während die amerikanischen Medien die Angreifer natürlich für „Araber“ halten, wissen wir als Zuschauer sehr schnell, dass diese Einschätzung ein bisschen zu vorschnell ist, denn die Emmerich’schen Terroristen sind Amerikaner (sowie Söldner in ihren Diensten) mit ultrarechten Ansichten, die alles Nichtamerikanische für amerikafeindliche Umtriebe halten. Emmerich nimmt also die (auch hier nicht nur) US-amerikanische, vornehmlich islamistisch vorgestellte Terroristenhysterie aufs Korn. Leider handelt Emmerich das nur en passant ab, erstickt die eh nur sehr leise Kritik in wüster Action, offenbar im zwanghaften Bemühen, das filmische Independence Day, wo ja das Weiße Haus ebenfalls zerstört wurde, oder das reale Nine Eleven zu übertreffen. Das durchgeknallte Drehbuch (James Vanderbilt) reiht einen Action-Turn an den nächsten, wobei sich die Leichen bedenklich schnell anhäufen, bis es am Ende zum drohenden Nuklearangriff der Terroristen kommt. Dass der letztlich verhindert wird, ist nicht weiter überraschend. Leider wohl auch nicht, dass beim Verlassen des Kinos vor allem die Erinnerung an einen im Handlungsablauf wenig glaubwürdigen Actionstreifen bleibt.

Fazit: Wüstes Geballere, dem der Mut fehlt beziehungsweise sehr schnell wieder abhanden kommt. Besser hätte es (vielleicht) werden können, wenn Roland Emmerich ein bisschen mehr seinen Alien-Status ins Spiel gebracht hätte.

Europa Report

Der Europa Report (USA 2013) berichtet von der Mission des Raumschiffs Europa One, das in näherer Zukunft mit einer 6-köpfigen Besatzung Richtung Jupitermond Europa aufbricht. Europa gilt (auch in unserer Gegenwart) als einer von zwei verbliebenen Himmelskörpern im Sonnensystem, auf denen so etwas wie primitives Leben entstanden und auch heute noch existieren könnte (der zweite, allerdings weniger vielversprechende Kandidat ist Titan, ein Mond des Saturn). Europa ist etwas kleiner als der Erdmond, hat aber eine etwas größere Masse als dieser. Die Oberfläche, auf der es kaum Erhöhungen gibt, ist mit einer dicken Eisschicht bedeckt, unter der ein riesiger Wasserozean vermutet wird. Und „überall“, so ein Wissenschaftler des Projekts, „wo wir bislang Wasser fanden, da fanden wir auch Leben“.

Nach dem Start von Europa One „verfolgte die Welt für mehr als sechs Monate jeden einzelnen Augenblick“ der Mission. Dann reißt, für 15 Stunden, der Kontakt ab. Der Film nutzt das sozusagen für eine (erste) Rückblende: Man sieht den Missionsverlauf vom Start der Rakete, die die Besatzung zum Raumschiff Europa One bringt, das offenbar im Erdorbit zusammengebaut wurde, bis zu dem Moment, wo die Kommunikation mit der Erde zusammengebrochen ist. Dabei verfolgt man das Geschehen sowohl im Raumschiff als auch das in Mission Control oder bei Pressekonferenzen auf der Erde.

Nach fast 20 Minuten Filmzeit kommt man wieder bei dem Moment an, wo der Kontakt zur Erde abriss. Es folgt zunächst eine erneute Rückblende, die uns die an der Mission beteiligten Astronauten etwas näher vorstellt. Die gezeigten Clips erinnern stark an entsprechende NASA-Texte und/oder -Filmchen. Das wirkt nicht sehr originell (und ist es auch nicht), aber die Schauspieler treffen exakt den Ton (auch ihre Sprecher in der deutschen Synchro), der sie nicht so klingen lässt, als würden sie Astronauten, Wissenschaftler oder Techniker im O-Ton nachahmen. Und Drehbuch (Philip Gelatt) und Regie (Sebastián Cordero) unterstützen sie da auch (noch). Auch das Pathos klingt da noch überzeugend: „Sollte da Leben existieren auf Europa“, so eine Astronautin, „dann wäre das mit Abstand die bedeutendste Entdeckung der Menschheitsgeschichte.“ Das erinnert ein wenig an Allie Arroway in Contact. Auch ansonsten klingt das glaubwürdig und sieht auch so aus, wie man sich eine bemannte Mission vorstellt und wie man ja auch schon viele gesehen hat: sowohl filmisch (von 2001 bis Marooned, von Apollo 13 bis Gravity) als auch realiter (etwa Apollo oder ISS).

Aber zunehmend sieht und hört man auch, dass man das alles schon tausendmal gesehen und gehört hat. Und vor allem: dass der Film nichts Neues oder Originelles oder auch nur irgendetwas Anderes hinzufügen kann. Es wird viel geredet von der Schönheit und Stille des Weltraums, vom Sinn des Lebens im Allgemeinen und vom erhabenen Forscherdrang des Menschen. Im Handlungsfaden darf natürlich auch der bei solchen Filmen schon fast obligatorische Todesfall bei einem Außenbordmanöver nicht fehlen. Alles das wird erzählt aus der Perspektive diverser Bordkameras, auch wenn dieses Footage-Prinzip nicht ganz so penetrant durchgezogen wird wie in Cloverfield oder Apollo 18, lässt es den Film doch immer mehr zerfasern. Noch schlimmer ist, dass die imgrunde sehr einfache Geschichte – Forscher brechen auf, um das erste Leben außerhalb der Erde zu finden – in immer neuen, teilweise ineinander verschachtelten Rückblenden ausgebreitet wird. Da entsteht schon der Eindruck, als habe Sebastián Cordero die Schlichtheit der Story mit komplizierter Schnittfolge aufgemotzt, damit’s am Ende nicht ganz so simpel daherkommt.

Unangenehm fällt auch die völlig abstrichlose Verherrlichung des menschlichen Forschergeistes auf, der immer wieder beschworen wird. „Verglichen mit dem Wissen, das es zu entdecken gilt“, fragt eine Astronautin rhetorisch, „was bedeutet da dein Leben?“ Ist das so? Zählt ein Menschenleben wirklich nichts mehr, wenn nur der erwartete Erkenntnisgewinn groß genug ist?

Fazit: Der Film hat durchaus seine großen Momente, etwa die ersten 20 Minuten oder die Totalaufnahmen des Jupitermondes Europa (zusammenmontiert aus realen Aufnahmen der NASA, die dem Regisseur das Filmmaterial zur Verfügung stellte), verfranzt sich aber am Ende in einer unnötig komplizierten Schnitttechnik, die nicht der Story dient, sondern eher ihrer Verschleierung.

Ergänzung: Vor einigen Wochen wurde in der wirklichen Welt von der europäischen Weltraumagentur ESA die Finanzierung von JUICE genehmigt. Der Start der (unbemannten) Mission ist für das Jahr 2022 geplant. Es sollen alle vier großen Jupitermonde, also auch Europa, näher untersucht werden.

In Deutschland wurde der Europa Report am 22. Oktober 2013 als DVD veröffentlicht (im Kino wurde er nicht gezeigt). Einen deutschen Trailer gibt es hier. – Erwähnt sei auch noch, dass bei praktisch allen Rezensenten der Film sehr viel besser wegkommt als hier, zum Beispiel bei dem hier oder auch dem hier.

UFO in her Eyes (Film) & Ein UFO, dachte sie (Roman)

Das titelgebende UFO kommt weder im Roman Ein UFO, dachte sie (München 2009) noch im Film UFO in her Eyes (D/F 2011) vor, und deswegen gibt es auch keine „wirklichen“ Aliens. Metaphorische hingegen gibt es jede Menge davon. Und das ist sozusagen das Thema. Weswegen es auch keinerlei Rolle spielt, ob der verletzte „Fremde“, den Yun Kwok, eine bäurische, unverheiratete Analphabetin, am Rande eines chinesischen Dorfes in ihrem Haus aufnimmt, ein Amerikaner oder ein Alien ist. Für den chinesischen Provinzler ist er in jedem Fall „ein Fremder mit haarigen Beinen“.

Wir schreiben den 11. September 2012 und Yun Kwok, eine Enddreißigerin trifft sich auf einem Feld mit ihrem Liebhaber, dem Lehrer und Schulleiter Yee Ming. Das bereitet nicht nur Vergnügen, sondern kann auch ein wenig verwirren. Jedenfalls sieht sie eine seltsame Lichterscheinung und hört einen hellen, singenden Ton. Dann wird sie bewusstlos. Als sie wieder zu sich kommt, ist Yee Ming verschwunden, und sie findet einen verletzten Fremden – den mit den erwähnten „haarigen Beinen“ – und nimmt ihn mit nach Hause, wo sie ihn gesundpflegt.

Leider macht diese gute Tat die Runde, und kommt schließlich auch offiziellen Stellen zu Ohren. Womit das Unheil sozusagen seinen (nicht nur sozialistischen) Lauf nimmt, denn in China wächst zusammen, was zusammen gehört: der real existierende Sozialismus und der real existierende Kapitalismus.

Aus dem Fremden (der das Land längst wieder verlassen hat) wird schnell ein Alien, aus der mysteriösen Lichterscheinung, die Yun Kwok gesehen hat, ebenso schnell ein Ufo. Einfach, weil sich diese Lesart der Dinge effektiv vermarkten lässt. Die Offiziellen des Ortes, kräftig unterstützt von den Offiziellen in Peking, nutzen die Chance, um aus ihrem rückständigen Dorf ein Modellstädtchen der Moderne zu machen mit lauter „kultivierten und fortschrittlichen“ Arbeitern.

Es wird also gebaut, und zwar auf Teufel komm raus: „Ein 53 Stockwerke hoher Wolkenkratzer, die Nachbildung des Opernhauses von Sydney (nur viel besser), der UFO-Vergnügungspark. Ich sage Ihnen“, so die Ortsvorsteherin Lee Chang stolz, „Disneyland wird blass aussehen dagegen.“ Bald gibt es Touristenführungen; sogar amerikanische Zeitungen, worauf Lee Chang natürlich eigens hinweist, berichten über das aufstrebende chinesische Dorf. Chinesische Traditionen werden über Bord geworfen: Henry Millers Wendekreis des Krebses wird als quasi chinesischer Roman gefeiert (sein Inhalt spielt keinerlei Rolle oder wird auf wirre Weise umgedeutet); die Vorzüge der westlichen „körperlich-räumlichen“ Malerei gegenüber der „flachen“ chinesische Malerei werden gepriesen, Selfmade-Millionäre gefeiert. Und so weiter. Amerikanische Lebensart ist bald alles, chinesische, vor allem die dörfliche, gilt nichts mehr.

Es endet, wie so etwas meistens endet: in Chaos und Zerstörung. Das Dorf wird mit Baumaschinen plattgemacht, die soziale Struktur des Dorfes löst sich auf und wird ersetzt durch Ökonomie, denn „der Fortschritt hat hier Einzug gehalten“, wie Ning Zhao sagt, der Sekretär der Ortsvorsteherin. Das kommt einem natürlich bekannt vor. Nach dem 11. September 2001, was die Amerikaner Nine-Eleven nennen (und mit ihnen die ganze Welt), beschleunigte sich der neoliberal-kapitalistische Wahn beträchtlich – was den 11. September als UFO-Sichttag erklärt. Heute gehen zunehmend Menschen auf die Straße, um dagegen zu protestieren.

Auch UFO in her Eyes endet in einem (kleinen) Aufstand gegen die Zerstörer, während Steve Frost, der Fremde, der auf einen Besuch ins Land seiner Retter zurückgekehrt ist, auf einem Fest, das ihm zu Ehren gegeben wird, ein jämmerliches Schmierentheater aufführt. Je mehr Alkohol er sich reinschüttet, desto kriecherischer werden seine Phrasen („China is the land of the future“); gegen Ende des Festes liegt er praktisch unter’m Tisch: ein armseliger Repräsentant des american way of life.

Fazit: Eine streckenweise so großartige wie böse Parabel auf den Kapitalismus neoliberal-globalisierter Ausprägung (und nicht auf den Sozialismus, auch wenn viele deutsche Rezensenten das so interpretieren, zum Beispiel hier oder hier, der hier erwähnt zumindest das Wort Globalisierung; wie China Ökonomie versteht, davon kann man sich hier überzeugen). Die Schwäche des Films allerdings liegt darin, dass das Drehbuch zu sehr dem Roman verhaftet bleibt. Der schildert die Ereignisse – sie umspannen die Jahre 2012 bis 2015 – als Akteneinträge und -notizen. Das Buch enthält ganz „authentisch“ auch Schwärzungen und Randbemerkungen, als wäre es durch die chinesische Zensur gegangen. Ein solcher Aufbau hat keinen Platz für einen Protagonisten, der deswegen im Roman auch fehlt. Aber Aktennotizen lassen sich schwer verfilmen, was das Drehbuch aber zu spät erkennt: Erst nach rund einer Stunde entscheidet es sich dafür, Yun Kwok zur Hauptperson zu machen, um die sich alles dreht. Vielleicht wäre es daher vorteilhaft gewesen, wenn Xiaolu Guo (sie schrieb den Roman, das Drehbuch und führte Regie) wenigstens das Drehbuch in andere Hände gegeben hätte.

Deutschlandstart des Films, eine deutsch-französische Coproduktion, war am 12. April 2012; in den USA kam er am 13. Juni 2012 in die Kinos; seit 22. Februar 2013 gibt es den Film als DVD. Die Homepage (deutsch) gibt es hier.

Der Roman Ein UFO, dachte sie erschien 2009 im Knaus-Verlag, München (wo er nicht mehr lieferbar ist); 2011 erschien bei Goldmann btb die Taschenbuchausgabe (die auch noch lieferbar ist). Das Original UFO in her Eyes kam 2009 bei Chatto & Windus, London, heraus (erhältlich als Hardcover, Paperback und eBook). Übersetzt hat ihn Anne Rademacher.

Prometheus

Dass der Film Prometheus (USA 2012) eine Menge populärer Mythen zu einem „pseudowissenschaftlichen Mix“ zusammenrührt, wie Uwe Reichert, Chefredakteur der Astronomie-Zeitschrift Sterne und Weltraum, im Editorial zum Oktoberheft beklagt (vor allem Präastronautik und Intelligent Design stoßen ihm übel auf), ist nicht das größte Problem des Films. Die Bilder sind (selbst wenn man sie nur in 2D sieht) streckenweise überwältigend – das muss man zugeben. Aber ergreifend sind sie, selbst in solchen Momenten, nicht. Auf ästhetisch hohem Niveau lässt einem das Ganze – die Story wie die in ihr agierenden Personen – bedenklich kalt.

Im Jahr 2091, ein Jahr vor Ellen Ripleys Geburt, startet das überlichtschnelle Forschungsschiff Prometheus mit Ziel LV 223, einem Mond in einem knapp 40 Lichtjahre entfernten Sternsystem, dessen Zentralgestirn der Sonne sehr ähnlich ist (und der im Übrigen nicht identisch ist mit der Welt, auf der die Besatzung der Nostromo über 20 Jahre später zum erstenmal von den Aliens infiziert wurde – was Ellen Ripley bekanntlich als Einzige überlebte). Aufgabe der 1000-Milliarden-Dollar-Mission ist es, die „Konstrukteure“, die Schöpfer zu finden, das heißt jene, die uns Menschen geschaffen haben. Dass es sie geben muss, darauf stießen Elizabeth Shaw und ihr beruflicher wie privater Partner Charles Holloway bei weltweit durchgeführten archäologischen Forschungen: Bei den unterschiedlichsten Frühkulturen der Erde, die untereinander keinerlei Kontakt hatten, fanden sie immer wieder die gleiche Sternkonstellation als Piktogramm an Felswänden, obgleich diese „alten und vergleichsweise primitiven Zivilisationen unmöglich etwas darüber wissen konnten“ . Der Film beginnt mit dem Eintreffen der Prometheus in diesem Sternsystem, dessen einziger Planet einen Mond hat, „auf dem Leben existieren könnte“ (Holloway). Ob dieses Leben wirklich identisch ist mit den Konstrukteuren können Shaw und Holloway in ihrer 3D-Präsentation vor versammelter Mannschaft zwar nicht beweisen, aber „ich habe mich entschlossen, es zu glauben“ (Shaw).

Leider geht der in dieser Präsentation aufgebaute sense of wonder im Folgenden ein wenig verloren: vor allem in Action- und Horrorelementen, die immer mehr die Oberhand gewinnen. Es wird viel in Fleisch herumgewühlt – stets begleitet von schleimigen Schmatzgeräuschen –, der Tod kommt in Splattermanier über die Menschen; Höhepunkt dieser Blutorgie ist die von Shaw selbst vorgenommene Abtreibung eines ihr eingepflanzten Alien-Babys (schon ein bisschen viel für meine empfindliche Seele), aber Ridley Scott (Regie) scheint es zu genießen (wie in vielen seiner Filme).

Immerhin finden sie die Konstrukteure. Alle bis auf einen sind sie tot, gestorben vor 2000 Jahren bei dem Versuch, ihr Raumschiff Richtung Erde zu starten. Das Schiff, das genauso aussieht wie jenes, auf das die Nostromo Jahrzehnte später stoßen wird, ist gefüllt mit Brutbehältern: Alienlarven, einzig gezüchtet zu dem Zweck, die Menschheit, von den Kontrukteuren selbst erschaffen, wieder zu vernichten. Der einzige Überlebende stellt sich als Pilot heraus. Natürlich versucht er zu vollenden, was vor 2000 Jahren schief gegangen ist: Er macht das Schiff startklar, damit es mit seiner Ladung Tausender von Aliens – die von Janek, Captain der Prometheus, einmal als „Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet werden – die Reise zur Erde antreten kann.

In der optisch fulminanten Schlusssequenz sehen wir den Wettlauf des fremden Piloten mit der Besatzung der Prometheus, die alles tut, um den Start des Schiffs zu verhindern. Mit Erfolg: Allerdings müssen sie dafür ihr Schiff genau wie sich selbst für die Menschheit opfern. Am Ende gibt es nur eine menschliche Überlebende: Elizabeth Shaw, die sich nicht an Bord befand. Sie findet David, dem in Alien-Filmen quasi obligatorischen Android an Bord, genauer: seinen Kopf. Sie begeben sich auf die Suche nach einem weiteren Schiff der Konstrukteure, das es, so behauptet David, auf LV 223 gibt, um diesen Ort zu verlassen. Allerdings nicht Richtung Erde, sondern auf die Heimatwelt der Konstrukteure. Shaw will wissen, weshalb diese ihre Schöpfung, die Menschheit, wieder vernichten wollen. Ihr letzter Satz, gesprochen im Off, lautet: „Die Suche geht weiter.“

Fazit: Die Ausrottung der Prometheus-Besatzung wird ein bisschen zu hingebungsvoll inszeniert, worüber die eigentliche Story immer wieder fast in Vergessenheit gerät. Zu verschmerzen ist hingegen, dass mit diesem Film die Aliens – die eigentlichen Aliens, die aus den Alien-Filmen 1 bis 4 – aus dem Fokus geraten (ist ja auch alles zu ihnen gesagt und gezeigt worden) und durch die Konstrukteure ersetzt werden. Auch wenn die letzte Einstellung die Geburt eines Aliens aus dem toten Pilotenkörper zeigt – auch das viel mit Blut, Schleim und Geschmatze verbunden –, werden Fortsetzungen, so es sie gibt (es scheint da derzeit Probleme zu geben), uns auf die Spur ihrer (und unserer) Konstrukteure setzen.

Alien Trespass

Bekanntlich waren die 1950er ein Jahrzehnt, in denen es von Aliens nur so wimmelte, die die Menschheit unterjochen, ausrotten oder übernehmen wollten. In Alien Trespass (Kanada/USA 2009) befinden wir uns im Sommer 1958 (zur Zeit des Meteorstroms der Perseiden) und ein Raumschiff havariert in den Bergen bei Mojave Desert, einem Provinznest in Kalifornien. Die Besatzung besteht aus einem Alien namens Urp sowie einem Exemplar eines Ghota, einem (mannsgroßen) halbintelligenten Wesen, dessen Vermehrungszyklus in seiner Teilung besteht. Das Problem dabei ist, dass er dazu eine Menge Energie, das heißt Nahrung benötigt, und die besteht aus organischem Material, sprich: Tieren und – vor allem – Menschen.

Der Ablauf des Films versteht sich dann von selbst: Der Ghota, das Monster, streift durch das Städtchen und vertilgt einen Menschen nach dem anderen. Zurück bleibt nur eine Pfütze. Eine Zeitlang herrscht unter den Menschen – wie in Horrorfilmen üblich – Verwirrung darüber, was geschieht, während man als Zuschauer dem Treiben des Monsters hautnah beiwohnt: Die Menschen werden sozusagen vor laufender Kamera gekillt, aufgelöst und dem Ghota-Organismus zugeführt. Aber die Menschen haben in diesem Fall Glück …

… denn Urp stellt sich (nach einigen Verwirrungen und Verwicklungen) als Alien-Marshal heraus – Urp gesprochen wie Earp in Wyatt Earp, der berühmteste Marshal des Wilden Westens –, dessen Aufgabe es ist, den Ghota wieder einzufangen. Und als außerirdischer Gesetzeshüter stellt er sich auf die Seite der Menschen, die ja das gleiche Ziel verfolgen. Und das Ende ist – wie es sich für solche Filme gehört – happy.

Bemerkenswert ist allerdings der Weg dorthin.

Als am Beginn des Films, ein großer Meteorit niedergeht (beziehungsweise ein Körper, der zunächst als solcher interpretiert wird), ist Lana gerade dabei, ihren Gatten Ted ins eheliche Bett zu locken. Der, ein Wissenschaftler, findet den vermeintlichen Meteoriten auch nicht uninteressant … Während des folgenden Liebesgeflüsters erwähnt sie, um ihn sozusagen in Fahrt zu bringen, die Schmelztemperatur von Eisen – die sie also kennt. Für eine weibliche Filmfigur in SciFi-Filmen der 50er Jahren praktisch eine Unmöglichkeit.

Im Folgenden gibt’s sehr viel mehr von diesem … nennen wir’s: Retro-Feminismus: Kerle, die kreischen (genauso laut und nervig, wie das in derartigen Filmen für gewöhnlich Frauen vorbehalten ist). Männer, die vom Ghota verspeist werden; Frauen, die … nein: Nur eine einzige Frau (Teil eines Pärchens) fällt dem Ghota zum Opfer. Ebenfalls eher selten in derartigen Filmen. Und Tammy, Bedienerin in einem Saloon und anfangs nur eine Nebenfigur, wächst im ShowDown des Films über sich selbst hinaus, indem sie sich dem Ghota stellt und ihn eine Weile in Schach hält – bevor ihr Urp dann zu Hilfe kommt (soweit geht der Feminismus auch wieder nicht). Tammy – und nicht Urp – dominiert auch die letzten Minuten, als sie vor dem Raumschiff eine Brandrede hält gegen Intoleranz und für Menschlichkeit: Sie sieht sich gezwungen, Urp vor einigen (bewaffneten) Bürgern Mojave Deserts zu schützen, die in ihm (zunächst) keineswegs den Retter der Menschheit sehen wollen.

Bemerkenswert ist auch die Umsetzung des Films: Alles wirkt sehr stilecht. An der Ausstattung (Kulissen bis Kostüme) gibt es ebenso wenig zu bekritteln wie an Makeup oder Frisuren. Alles sieht tatsächlich so aus wie in den tiefsten 50ern. Dazu kommen gute Schauspieler und ein Regisseur, der seine Sache sehr ernst nimmt. Dennoch floppte der Film in den USA und in Kanada vollständig; am Startwochenende brachte er (in den USA) grade einmal 43000 Dollar zusammen, insgesamt wenig mehr als 100000 Dollar.
Das mag daran liegen, dass der Film keine Materialschlacht à la Independence Day, Battleship oder Prometheus liefert (die Tricks scheinen sogar allesamt altmodisch analog zu sein). Wahrscheinlicher ist, dass Alien Trespass ein paar filmische Gepflogenheiten missachtet, an die man sich (vor allem im SciFi- und Action-Bereich) mittlerweile gewöhnt hat. Beispielsweise verweigern sich Steven P. Fisher (Drehbuch) und R. W. Goodwin  (Regie) den berühmten Einzeilern. Hier werden richtige, d. h. sinnvolle und vollständige Sätze gesprochen, die der erzählten Geschichte dienen. Als Urp beispielsweise Tammy seinen Namen nennt, hält sie das für einen Rülpser und bietet ihm freundlicherweise Magentabletten an. Das fügt sich völlig selbstverständlich in den Handlungsfluss ein: keine Kunstpause, kein schauspielerischer oder technischer Gimmick, der einem versichert, gerade Ironie gehört zu haben.

Dazu kommt, dass der Film gelegentlich ein bisschen zu sophisticated ist: So beginnt er mit einer Wochenschau vom 21. November 1957 – ebenfalls stilecht in Bild (schwarz/weiß) sowie Off-Stimme (auch die deutsche Synchro klingt, als stamme sie aus dieser Zeit). Die Wochenschau endet mit einem Bericht, der uns, dem Zuschauer, versichert, der Film Alien Trespass, den wir ja gleich sehen werden (und der als „der größte Science-Fiction-Film aller Zeiten“ angepriesen wird), existiere nicht, weil es zum Zerwürfnis zwischen Produzent und Hauptdarsteller gekommen sei. Die vorigen Beiträge der Wochenschau mäandern zwischen Seriosität und Boulevard. So gibt es, passend zur Zeit Ende November, einen „Bericht“ über den Weihnachtsmann, der am Nordpol hause (etwas, das es alljährlich bis heute im amerikanischen Fernsehen zu sehen gibt). Ein anderer, scheinbar seriöser Bericht bezieht sich auf das amerikanische Pioneer-Programm: Es wird behauptet, die Sonde Pionier sei zum Mond gestartet worden. Sie wird als „die mit Abstand erfolgreichste Raumsonde der Menschheit“ bezeichnet. Um das als bösen Sarkasmus zu erkennen, muss man schon sehr tief in der amerikanischen Raumfahrt stecken: Es gab zwar Sonden des Typs Pioneer, aber bis 1959 endeten alle Pioneer-Starts in einer Explosion kurz nach dem Start; Pioneer 4 erreichte (im März 1959) als erste den Mond, wenn man unter „Erreichen“ auch ein Passieren in einem Abstand von 60000 Kilometer Abstand versteht … Der Gag dieser Wochenschau besteht darin, dass sämtliche Beiträge, die boulevardesken genauso wie die scheinbar seriösen, gefaket sind.

Fazit: Wenn man den Film nicht ganz so ernst nimmt wie seine Macher, dann hat man hier ein echtes Schätzchen im Player. Vielleicht sieht man sogar einen Kultfilm in spe, denn wahre Kultfilme brauchen bekanntlich Zeit, um zu solchen zu werden.

Das Böse ist überall im All

Natürlich wird es immer schwieriger, einen (auch nur halbwegs) originellen Film über alieneske Invasoren zu fabrizieren. Es ist einfach alles gesagt und gezeigt, und gezeigt und gesagt und noch einmal gesagt und gezeigt worden. Als Ausweg bleibt die Wiederholung, das Nachbeten, das Ausschlachten von bereits Bekanntem. Aber dabei lässt sich der Film Battleship (USA 2012) nicht lumpen: 200 Millionen Dollar Produktionskosten (und 3D) sorgen dafür, dass man zumindest optisch (sowie in Sachen Action) nicht zu kurz kommt.

Die Zeit, die bis zum ersten Auftauchen der Aliens vergeht, immerhin 30 Minuten, wird genutzt, um die Ideologie, die den zweistündigen Film zusammenhält, anhand der Personen vorzustellen: der Herumtreiber, der zum Eintritt in die Navy überredet wird (damit doch noch was aus ihm wird); der Held, der noch nicht ganz zu sich gefunden hat; der Krüppel, der über sich hinauswächst und so weiter. Das Schlachtfeld als Ort der Bewährung: wo ein Mann noch ein Mann ist bzw. zu einem werden kann (seit die Frau mehr oder weniger gleichberechtigt auf dem Schlachtfeld dazugekommen ist, hat sich an diesem Schwachsinn nichts geändert). Dazu gehört selbstverständlich auch das Hoch auf das US-Militär: „Ich“, sagt Admiral Shane, „begrüße Sie an Bord des großartigsten Schlachtschiffs in der Geschichte der US Navy: der USS Missouri.“ Er sagt das auf besagtem Schiff, dessen Klassenbezeichnung (Schlachtschiff) dem Film auch den Namen gibt (und das am Ende alles rausreißt). In der wirklichen Welt unterzeichneten auf der USS Missouri Vertreter Japans am 2. September 1945 die Kapitulation, womit der 2. Weltkrieg auch in Asien endete.

Die Aliens schlagen zu während des RIMPAC, eines Flottenmanövers im Pazifik (das es alle zwei Jahre auch in der wirklichen Welt gibt), an dem mehrere Nationen teilnehmen; im Film vor allem die USA und Japan. Eine Stunde nach ihrem ersten Auftauchen haben die Aliens einen Teil der Flotten durch eine Art Energieschirm isoliert und alle darin befindlichen Schiffe vernichtet. Alle? Natürlich nicht. Die USS Missouri (Baujahr 1940) steht als schwimmendes Museum noch heil am Kai. Aber nur unser American Hero, Leutnant Hopper, ist begeistert, weil er nicht aufgeben kann. Der Rest der Übriggebliebenen zeigt sich nicht ganz so angetan von dem Schiff, vor allem weil „alle Waffensysteme analog sind“.

Die letzte halbe Stunde des Films zeigt, wie diese schwimmende Antiquität die hochgerüsteten Aliens zum Teufel jagt, das heißt sie tötet, vernichtet, ausradiert. Legitimiert wird diese Schlächterei (wie die des Mittelteils, als die Aliens die Menschen töteten, vernichteten, ausradierten) mit einer Ideologie, die in den 1990ern ihren Höhepunkt erreichte (und die auch die Naturwissenschaften infizierte bzw. verseuchte): Wenn Aliens den beschwerlichen Weg Richtung Sonnensystem gegangen sind, war das so gigantisch aufwendig, dass es praktisch keinen Rückweg gibt. Sie können also gar nichts anderes im Sinn haben, als die Menschheit zu vernichten. Independence Day war der Film, der uns das vorführte. Battleship zeigt es über 15 Jahre später noch einmal.

Wer schon Independence Day für schwer erträglich in Sachen Patriotismus (amerikanisch), Opferbereitschaft und Durchhaltewillen (menschheitlich), Helden- und Kriegspathos und Einiges mehr gehalten hat, den belehrt Battleship eines Schlechteren: Es geht noch schlimmer. Zwar gibt es, dem Zeitgeist entsprechend, auch in Battleship immer wieder Ironie zu hören, meist in Form von Einzeilern – der schönste ist als Aufschrift auf einem Kriegsschiff zu lesen: In God we trust all others we track (Gott vertrauen wir, allem anderen gehen wir nach) –, aber der Witz wird in der Regel sofort abgewürgt und wir befinden uns wieder in irgendeiner Kampfhandlung. Die Verbissenheit, mit der in Battleship Menschheit gegen Aliens, Mann gegen Alien, menschliche Maschine gegen alieneske Maschine gekämpft wird, ist wirklich erstaunlich.

Genauso erstaunlich, wie der neue Trend zur analogen Gewalt im SciFi-Film: Man will wieder echte Kerle sehen und Dinge, die von echten Kerlen bedient werden. Und keine digitalen Maschinen, bei denen sich nichts bewegt und die nur von nerdigen Spinnern verstanden und benutzt werden können.  Auf der USS Missouri ist der Mann noch Mann und kein digitales Weichei. Lasst sie also kommen – wir hauen sie weg, und zwar mit den Fäusten und nicht mit Laserblastern und Photonentorpedos!

Die (Un-)Moral von der Geschicht: Wir (wir die Menschheit) mögen kriegs- und gewaltgeile, das heißt faschistische Arschlöscher sein, aber das ist nicht nur gut so, das muss auch so sein, denn die anderen da draußen sind nicht besser, können nicht besser sein: So ist nun mal der Lauf der Welt bzw. des ganzen Kosmos. Amen. Oder eben: In God we trust.

ФАНТОМ – The Darkest Hour (Film)

In der 14. Minute schlagen sie zu, und zwar hart, kompromiss- und mitleidlos, wie man das von Aliens so gewohnt ist. Optisch sieht das so ähnlich aus wie am Tag, als die Erde stillstand (2008): Millionen Nanoteilchen materialisieren und einverleiben sich die Körper des angegriffenen Menschen. Diesmal befinden wir uns allerdings nicht auf amerikanischem Gebiet, wie in den meisten Alienfilmen, sondern auf russischem, nämlich mitten in Moskau.

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Zwei junge amerikanische Programmierer reisen nach Moskau, um dort mit einer Handy-App (für amerikanische Touristen in Moskau) das große Geld zu machen, müssen aber feststellen, dass ihr einstiger Partner Skyler ihnen die Idee geklaut hat und schon dabei ist, sie an die Russen zu verscherbeln. Später treffen sie in einem Nachtclub zufällig auf Skyler. Bevor es aber zum Streit kommt, tauchen die Aliens über Moskau auf.
Unsere Freunde – die Programmierer, zwei amerikanische Touristinnen, die sie im erwähnten Nachtclub kennenlernten, sowie Skyler – überleben das Gemetzel, in das der erste Kontakt mündet, und können sich in die Küche des Nachtclubs flüchten. Nachdem die Vorräte aufgebraucht sind, beginnen sie, sich über menschenleere Straßen und Plätze zur amerikanischen Botschaft durchzuschlagen. Der (gottlob nicht allzu lange) Weg dorthin fällt vor allem durch einen Hänger im Drehbuch (Jon Spaihts) auf, denn die Leute sagen uns Zuschauern ständig, was wir sowieso im Bild sehen. Das einzig Bemerkenswerte ist, dass sich die Aliens Skyler schnappen.

Immerhin ist er nicht umsonst gestorben, da die Übriggebliebenen erkennen, was ihn  in die Arme der Aliens getrieben hat: Er hat ein beleuchtetes Fenster gesehen, hinter dem Menschen zu erkennen sind. Sofort macht man sich auf den Weg, um dort Bundesgenossen zu finden. Und die findet man auch: Ein Trupp aufrechter Russen, die sich – mit ein paar schweren Schusswaffen bestückt – der Alienübermacht stellen. So wie diese ihre Heimat, Moskau, gegen die Fremden verteidigen, so wollen die Amerikaner zurück in ihre Heimat, um das Gleiche zu tun. Dazu müssen sie aber zum Hafen, wo – wie sie aus dem Radio erfahren haben – ein amerikanisches U-Boot liegt.

Die zweite Hälfte des Films besteht folglich darin, wie sich Russen und Amerikaner Hand in Hand durch ein von Aliens besetztes, zerstörtes, fast völlig entvölkertes Moskau (vor der Invasion lebten hier über 11 Millionen Menschen) zum rettenden U-Boot kämpfen. Das Drehbuch hat auch bei diesem Weg ein paar Hänger, aber immer seltener und immer kürzere. Sie fallen angesichts der Kämpfe, die man mit einzelnen Aliens immer wieder auszufechten hat, kaum auf. Es gibt also viel Action –  die nicht alle Kämpfer überleben – und ein Ende, das (wie die meisten Invasionsfilme) ganz und gar darin aufgeht, den menschlichen Überlebenswillen zu beschwören.

Fazit 1: Die Optik des Films ist überzeugend. Aber vielleicht wär’s nicht schlecht gewesen, wenn man von den 30 Millionen Dollar, die der Film gekostet haben soll, ein paar mehr davon ins Drehbuch investiert hätte. Dass Jon Spaihts mehr kann, als er hier liefert, beweist er als (Co-)Drehbuchautor von Prometheus, dem neuesten Film von Ridley Scott (der am 9. August 2012 in die deutschen Kinos kommt).

Fazit 2: Diese Kritik ist einen Tick zu hart, diese etwas moderater, auf den Punkt (und auf englisch) bringt es diese hier (unter User Reviews): Die Trailer versprechen genau das, was der Film hält. Oder anders ausgedrückt: Wer die Trailer gut findet, wird auch den Film mögen.