Project M

Project MDie Ressourcen der Erde gehen in der nahen Zukunft, in der der Film Project M (französischer Originaltitel: Projet-M, CDN 2014) spielt, zur Neige, vor allem das Wasser wird knapp. Quebec, heute noch eine Provinz Kanadas, ist ein selbstständiger Staat, reich geworden durch den Export von Trinkwasser, doch diese Wasserreservoirs sind (natürlich) nicht unendlich. „Um die Zukunft zu sichern“, sagt Lea Leclerc, Präsidentin Quebecs, „müssen wir uns dem Weltraum zuwenden.“ Speziell (und wieder einmal) dem Jupitermond Europa. Eine unbemannte Sonde namens Oasis wühlt sich dort durch den Eispanzer des Mondes und übermittelt Daten von dem riesigen Wasserreservoir, das sich darunter befindet. Um dieses Wasser nutzbar zu machen, braucht es eine bemannte Expedition nach Europa. Zur Vorbereitung auf eine solche wird Project M gestartet: Eine Raumstation im Orbit um die Erde, auf der eine Gruppe von Astronauten 1000 Tage lang lebt und arbeitet – 1000 Tage ist die Zeitspanne, die eine Europa-Mission dauern würde (M ist das römische Zahlzeichen für 1000).

Der Film eröffnet mit einer kritischen Situation auf der Station – sie droht mit einem Stück Weltraummüll zu kollidieren -, die von der Crew jedoch mit einem Ausweichmanöver bravourös gemeistert wird. In den folgenden knapp 7 Minuten werden dann in Form einer TV-Reportage die Ausgangslage, die Station sowie die Astronauten vorgestellt. Leider fällt danach der Drive, den der Film bis dahin aufgebaut und gehalten hat, in den Keller und es wird zäh: Man quält sich durch müde Dialoge, belanglose Szenen, und die Rückblenden aus der Vergangenheit der Astronauten machen alles nur noch schlimmer. Ein bisschen Leben kommt in den Film erst wieder nach 20 Minuten, als die Crew – bei Tag 900 der Mission – über ihre Kommunikationskanäle einen nuklearen Schlagabtausch der irdischen Mächte beobachtet. Ob es auf der Erde Überlebende gibt, hoffen sie, wissen es aber nicht. Auf jeden Fall sind sie von jetzt an auf sich allein gestellt.

Danach fällt der Film wieder in Schlafmodus, diesmal für mehr als eine halbe Stunde. Die Konflikte, die ausbrechen, bewegen sich in den üblichen Klischees und werden zudem seltsam distanziert inszeniert. Auch der obligatorische Todesfall – eine Astronautin begeht Selbstmord – berührt nicht wirklich. Die Rückblenden häufen sich, aber der Dramaturgie tut das noch immer nicht gut.

Erst in der letzten halben Stunde findet der Film wieder zu sich. Ein russischer Kosmonaut, einziger Überlebender einer Sojus-Havarie, wird gerettet und an Bord genommen. Von ihm erfahren sie, dass Oasis keineswegs nur Daten über die Wasservorkommen auf Europa übermittelt hat – das war, so der Kosmonaut, nur die „offizielle Story“ -, sondern für die Menschheit etwas wesentlich Essenzielleres: nämlich Bilder eines „unbekannten Objektes“, bei dem es sich nur um ein „außerirdisches Raumschiff“ handeln kann. Die Crew – und der Film – wird daraufhin, für seine Verhältnisse, fast hektisch: Es gilt, die Überlebenden der Erde, man ist überzeugt, dass es solche geben muss, darüber zu informieren, denn dieses Wissen würde alles ändern: „Es würde nicht mehr um Hautfarbe gehen oder Religion, sondern nur darum, ob man Mensch ist oder nicht.“

Fazit: Gute (wenn auch konventionelle) Idee, der in der Ausführung aber der dramaturgische Schliff fehlt.

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Edge of Tomorrow

Wann ist er gestorben? Wo?
Am Strand. Morgen.

Wieder einmal muss die Menschheit ran: In der Operation Downfall – Untergang – stemmt sie sich gegen denselben. Bereitet soll er ihr von den Mimics werden, Aliens, die eigens zu diesem Zweck – es ist offenbar ihr einziges Lebensziel, Planeten zu erobern – woher auch immer auf der Erde eingefallen sind. Doch Downfall ist keine Operation, die die Menschheit gestartet hat – das glaubt sie nur: Es ist eine Falle, ein Hinterhalt der Aliens. Allerdings kein gewöhnlicher, sondern einer, der die menschheitlichen Streitkräfte, zusammengefasst in der UDF (United Defense Force), nicht nur an einen Ort führt, an dem sie in ihr Verderben rennen soll, sondern immer wieder dorthin führt, denn die Aliens können die Zeitlinie manipulieren.

Wer jetzt aber glaubt, dass Edge of Tomorrow (USA 2014) ein Film ist, der sich in einer komplizierten Zeitreise-Geschichte verliert (was bei solchen Geschichten ja häufig passiert), der irrt. Doug Liman (Regie) sowie Christopher McQuarrie, Jez und John-Henry Butterworth (Drehbuch, nach einem Kurzroman des japanischen Science-Fiction-Autors Hiroshi Sakurazaka) liefern einen gradlinigen Action-Film ab, der die nötigen Erklärungen wohldosiert und immer an den richtigen Stellen einfügt. Der Handlungsfaden des Films geht dabei nie verloren und läuft strikt auf den (allerdings absehbaren) Showdown zu.

Die Ausgangslage wird in den ersten Minuten anhand von Nachrichtensplittern vermittelt: Die Aliens haben ihren Krieg gegen die Menschheit in Europa angefangen – Deutschland und Frankreich gingen als erstes „verloren“ – und befinden sich auf dem Vormarsch auf London. Unaufhaltsam, denn „ein Feind, der die Zukunft kennt, kann nicht verlieren“. Außer natürlich, der Angegriffene findet einen Weg, ebenfalls Zugriff auf die Zeitlinie zu finden.

Genau das gelingt – zunächst unbeabsichtigt und unwissentlich – William Bill Cage, PR-Mann und seines Zeichens Drückeberger, der sich so gar nicht direkt an der Front sieht, wohin ihn General Brigham aber, wenig einsichtig, abkommandiert. Bei seinem ersten Kampfeinsatz im Rahmen der Operation Downfall – seine Einheit wird, „am Strand“, von den Aliens erwartet und fast vollständig ausgelöscht – tötet er ihm letzten Moment ein Alien, bevor es ihn töten kann. Dabei kommt er in Kontakt mit Alien-Blut. Und das ändert alles – für ihn persönlich ebenso wie für den Ablauf des gesamten Krieges. Aliens agieren nicht als Individuen, sondern als einziger Organismus, und das Alien, das Cage tötet, ist ein Alpha-Exemplar mit Zugriff auf die Zentraleinheit (gleichsam das Gehirn) aller Aliens. Dieses Gehirn – wenig originell als Omega bezeichnet – befindet sich an einem unbekannten Ort und steuert die Zeitlinie. Immer, wenn die Alien-Armeen in Bedrängnis geraten, setzt das Omega die Zeit zurück, lässt den Tag also von vorn beginnen, was es den Aliens ermöglicht, alle Verteidigungsstrategien der Menschheit erfolgreich zu kontern.

Durch das Blut des Alpha-Aliens geht die Fähigkeit, die Zeit immer wieder zurückzusetzen, auf Cage über. Aber nur, wenn er im Einsatz stirbt. Wird er gerettet und erhält dabei beispielsweise eine Bluttransfusion, geht sie verloren. Darauf bezieht sich der martialische Slogan, mit dem der Film beworben wird: „Live. Die. Repeat.“

Bei seinem Kampf gegen Aliens und die Zeit trifft Cage, der für nichts, was mit ihm geschieht, eine Erklärung hat, auf Rita Vrataski, eine Kämpferin und Kriegsheldin – Nickname „Full Metal Bitch“ oder auch, respektvoller, „Der Engel von Verdun“ –, die sofort erkennt, über welche Fähigkeiten er verfügt. Denn sie selbst hatte sie, vor Verdun, ebenfalls. Sie konnte eine Menge Menschen retten – bis sie selbst gerettet wurde. Dann war es damit vorbei und die Schlacht (sowie Frankreich) ging verloren.

Fortan nehmen sie es gemeinsam mit dem Feind auf. Ziel ist es, das Omega zu finden und zu zerstören. Startpunkt ist der Strand. Anfangs kommen sie nicht sehr weit: Immer wieder sterben sie, immer wieder beginnt die Schlacht von Neuem, immer wieder wird sie verloren. Aber bei jedem Durchgang kommen sie, da er ja weiß, was sie quasi an der nächsten Biegung erwartet, ein Stückchen weiter. Nebenher trainiert sie ihn, an Maschinen, die die Kampftechnik der Aliens simulieren. Verletzt er sich dabei, bricht sich etwa ein Bein, springt sie hilfreich ein und tötet ihn. Was ihr nicht sehr schwer fällt, da er für sie stets ein Fremder bleibt. Nur er ist es, der sich an die vergangenen Durchläufe erinnern kann. Woraus der Film auch eine Menge Komik bezieht, da auch alle anderen im Film nicht wissen, dass Cage (und der Zuschauer) weiß, was gleich passieren wird.

Dutzende, Hunderte von Malen durchläuft der Film immer wieder den gleichen Tag, die gleichen Ereignisse, die gleichen Niederlagen und Tode. Viele werden gezeigt, andere nur angedeutet. Der Film arbeitet sich sozusagen durch einen Wust von Wiederholungen und fügt dabei immer ein Stück Neuigkeit hinzu. Gerade so viel, dass man als Zuschauer dabei bleibt. Und auch nicht ermüdet. Bis nach über anderthalb Stunden schließlich das Omega gefunden wird – es befindet sich in der Eingangspyramide des Louvre im entvölkerten Paris – und der Showdown Mensch gegen Alien ins finale Stadium münden kann.

Fazit: Es ist ein (beinahe oscarwürdiges) Kunststück, wie das Drehbuch es fertig bringt, einen fast zweistündigen Action-Film, der zum Großteil aus Wiederholungen besteht, nicht öde oder kopflastig werden zu lassen. Vorzuwerfen ist dem Film allerdings, dass er keinerlei Substanz aufweist. Die einzige Botschaft, die er hat (und die ist öde): Der Feigling, der über sich hinauswächst und zum Helden wird.

Pacific Rim

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Nachdem Pacific Rim (USA 2013, Regie: Guillermo del Toro) mit diesem Insert gleich am Anfang die sprachlichen Fronten abgesteckt hat – keine Alltäglichkeit: ein japanisches und ein deutsches Wort, die gleichsam die Hauptrolle in einem US-amerikanischen Actionfilm spielen (bzw. das, was sie benennen) –, geht es noch fulminanter weiter: Es wird der Einsatz eines „Jaegers“ gegen ein Kaiju, ein Monster, gezeigt, der in einer totalen Niederlage, einer bedingungslosen Kapitulation, wenn man so will, endet.

Kaijus sind wolkenkratzergroße Aliens, die allerdings nicht von daher kommen, wo Aliens für gewöhnlich herkommen. Man hat schlicht „in die falsche Richtung“ geschaut, denn die Kaijus kommen nicht aus dem All, sondern „aus den Tiefen des Pazifischen Ozeans, aus einer Spalte zwischen zwei tektonischen Platten: einem Portal zwischen den Dimensionen“. Dieses Portal wird Breach genannt. Das erste Kaiju kam in San Francisco zur Erdoberfläche, und „als Panzer, Kampfjets und Raketen es sechs Tage später und 35 Meilen weiter zur Strecke brachten, lagen drei Städte in Trümmern, zehntausende Leben waren ausgelöscht“. Und dann erfolgte, „nur sechs Monate später“, der Angriff auf Manila; es folgte ein dritter, ein vierter; „und dann wurde uns klar: Es würde nicht aufhören, das war nur der Anfang. Wir brauchten eine neue Waffe …“

Und das sind die Jaeger: Humanoide Roboter, ebenfalls wolkenkratzergroß, die aber über kein eigenes neuronales Zentralorgan (sprich Gehirn) verfügen, sondern von Menschen, die sich in ihrem Brustkorb befinden, gesteuert werden müssen. Ihre schiere Größe und damit verbundene Komplexität erfordert stets zwei Menschen als „Steuerleute“, deren Gehirne zudem zusammengeschaltet werden müssen. Gehirne in diesem Zustand befinden sich im Drift. Zwei Menschen im Drift sind aber wie ein Mensch: Alles, was der eine fühlt und denkt, denkt und fühlt auch der andere.

Genau das wird – beim einleitenden viaskösen Jaeger-Einsatz – Raleigh Becket zum Verhängnis. Mit seinem Zwillingsbruder sitzt er im Jaeger Gypsy Danger, und versucht, einen Kaiju-Angriff zurückzuschlagen. Ohne Erfolg. Sein Bruder wird getötet, ihm mitten im Drift aus dem Gehirn gerissen.

Fünf Jahre später – nachdem auch Lima, Seattle, Wladiwostik verloren gingen – wird das Jaeger-Programm offiziell beerdigt und ersetzt durch den Bau einer gigantischen Mauer (der „Wall of Life“), die den Breach abriegeln soll, damit er nicht mehr als Einbruchstor für die Aliens dienen kann, und Raleigh heuert bei diesem Mauerbau an. Aber das ist natürlich kein Job für Helden (sondern für harte Malocher), weshalb er sich gern von Stacker Pentecost, dem Leiter des einstigen Jaeger-Programms, abwerben lässt. Der reanimiert nämlich die Jaeger, allerdings nicht mehr als militärisch geführte Einheit, weshalb gilt: „Wir sind keine Armee mehr, Mr. Becket. Wir sind der Widerstand.“

Und einen Plan hat er (natürlich) auch: „Wir greifen den Breach an, Mr. Becket. Wir schnallen einen thermonuklearen Sprengkopf von 1200 Kilo auf Strikers Rücken.“ Striker Eureka ist ein Jaeger der 5., der neuesten Generation. Und Becket im alten Gypsy Danger (3. Generation) sowie zwei weitere Jaeger sind quasi als Strikers Schutzwall eingeplant. Alle diese Jaeger sind Restbestände; mehr als vier insgesamt stehen nicht mehr zur Verfügung.

Als Beckets Drift-Partner wird nach langem Gewürge Mako Mori erkoren. Aber stolz darauf, auch wenn das im Film so dargestellt wird, sollte sie – wäre Pacific Rim die wirkliche Welt – nicht sein. Zum einen ist sie (natürlich) das frühkindliche Opfer eines Kaiju-Angriffs und wurde von Stacker Pentecost gerettet, als der noch selbst Jaeger-Pilot war, und später auch adoptiert. Damit wird erklärt – hoch lebe die Film-Psychologie! –, weshalb er sich so lange zierte, ihr einen Jaeger anzuvertrauen. Zum anderen bewährt sie sich in einer (vermeintlich) asiatischen Kampfsportart gegen Raleigh. Vermeintlich, weil die geschilderte Taktik reichlich simpel und die inszenierte Geschwindigkeit (wie bei Hollywood-Filmen leider keine Seltenheit) viel zu langsam ist. Da strickt der Alienator seine Söckchen wesentlich schneller …

Der Plan geht jedoch beim ersten Versuch schief: Zwei Jaeger werden von den Kaijus zerstört; Striker Eureka kann seine Bombe nicht zum Einsatz bringen. In einem völligen Fiasko endet die Mission nur deshalb nicht, weil Becket und Mako Mori im Gypsy Danger, der im Unterschied zu den anderen Jaegern „analog und thermonuklear“ ist, zur rechten Zeit eingreifen können. Schon wieder also das Abfeiern des Analogen. Und Gypsy Danger ist es natürlich auch, der am Schluss den Breach und damit die Aliens endgültig, radikal, ein für allemal plattmacht. Noch ein bisschen Helden-Gefeiere, dann nach über 2 Stunden der Abspann.

Fazit: Es gibt viel zu sehen (Action) und zu hören (ebenfalls Action). An der Ästhetik des Films gibt es nichts zu bekritteln, außer vielleicht, dass er einen Tick zu schrill und laut ist. Für zwei vergnügliche Stunden reicht das – für mehr aber auch nicht. Auf keinen Fall sollte man den Fehler des Alienators wiederholen und zu viel über diesen Film nachdenken …

After Earth

Es gibt zahllose Filme, die Söhne im Clinch mit ihren Vätern zeigen und es gibt mindestens genauso viele Filme, die zeigen, wie man zum Helden wird (indem man zum Beispiel seine Angst überwindet, was ja geradezu ein filmischer Standardtopos ist). In After Earth (USA 2013) verbindet der Regisseur M. Night Shyamalan das Heldentum mit einem Vater-Sohn-Konflikt.

General Cypher Raige ist ein Militär durch und durch, was schon sein Name ausdrückt: Der Vorname Cypher steht für Ziffer oder Chiffre, aber vor allem für Vorgänge, die sich zyklisch, das heißt geistlos wiederholen. Und der Nachname Raige wird ausgesprochen wie rage = Wut, wobei das i, das nicht gesprochen wird, vielleicht seine unterdrückte Wut symbolisiert, die in ihm ist. In Verbindung vielleicht mit seiner Schweigsamkeit, denn Worte sind nicht sein Ding, sondern – wie das einem Helden ja auch zukommt – Taten, die er vollbringt. Und so wird in dem Film sehr wenig gesprochen, was eher ungewöhnlich (aber durchaus wohltuend) ist für Filme aus Hollywood .

Vor etwa 1000 Jahren war die Erde so verseucht, dass der Menschheit keine andere Wahl mehr blieb, als den Planeten zu wechseln: Man besiedelt Nova Prime, der sich jedoch nicht als unbewohnt erweist. Die Aliens schicken die Ursas los, „Monster“, eigens dafür gezüchtet, Menschen über den Geruch ihres Angstschweißes aufzuspüren und zu töten. Die Gegenwaffe der Neusiedler sind die Rangers: Menschen, die keinerlei Angst verspüren, daher von den Ursas unangreifbar sind. General Raige ist einer dieser Ranger, naja: nicht irgendeiner, sondern natürlich der beste. Ein Superschlächter ohne jede Angstempfindung – also quasi per definitionem ein Superheld. Allerdings einer, der Ermüdungserscheinungen zeigt. Nach dem Einsatz, mit dem der Film beginnt (die Beaufsichtigung eines Trainingslagers für Ranger), will er sich zur Ruhe setzen. Doch stürzt das Raumschiff, das ihn samt seinem Sohn ins Lager bringen soll, auf dem Weg dorthin ab. Es gibt nur drei Überlebende: Raige (schwer verletzt), sein Sohn Kitai und ein Ursa, der sich als Gefangener an Bord befunden hat. Der Planet, auf dem sie abstürzen, ist ausgerechnet die Erde, die die Menschheit vor 1000 Jahren verlassen musste: „Jede einzelne Entscheidung, die du triffst, bedeutet Leben oder Tod“, schärft Raige seinem Sohn nach der Havarie ein. „Das ist ein Kategorie-1 Quarantäre-Planet. Alles auf diesem Planeten ist dazu mutiert, Menschen zu töten.“

Die Belehrung ist nötig, weil Kitai das havarierte Schiff verlassen muss, um einen Notfallsender am Heck des Schiffs zu finden, 100 Kilometer von ihrem Standort entfernt. Das Ding ist „silberfarben“ und sieht aus „wie ein Raumschiff“ (genau genommen wie die Enterprise). „Du musst“, so Raige, „diesen Notfallsender finden, sonst werden wir sterben.“

Junior macht sich also auf den Weg, ständig unter den Augen (durch Kameras) sowie unter medizinischer Überwachung (durch Sensoren) des Vaters, der wegen seiner Verletzung die Brücke am Bug des Schiffs nicht verlassen kann. Allein das ist für den Junior schon eine schwierige Situation. Noch schwieriger machen es seine Begegnungen mit der einheimischen, das heißt terrestrischen Fauna. Immer sind sie mit Angst verbunden. Er weiß nie, ob er nur eingeschüchtert werden soll oder gleich totgeschlagen und/oder gefressen wird. Senior ist im Hintergrund hilfreich, indem er dem Sprössling sein unbedingtes Credo einhämmert: „Angst ist nicht real … Gefahr ist sehr wohl real. Aber Angst ist eine Entscheidung.“ Mit diesem Spruch – Angst ist eine Entscheidung – wurde der Film auch beworben.

Auch wenn dieser Satz im Film nur einmal ausgesprochen wird, so gibt er ihm doch den ständig mithämmernden Rhythmus vor. Höhepunkt ist, wie der Ursa, der den Absturz natürlich überlebt hat, über Kitai hinweglatscht ohne ihn zu bemerken, weil Junior am Ende endlich den Status des gefühlskalten Helden erreicht hat. Als solcher schlachtet er den Ursa dann selbstverständlich ab. Was der Film quasi als seine Mensch- bzw. Mannwerdung feierlich inszeniert.

Fazit: Streckenweise überwältigende Bilder und Szenen, deutlich inspiriert von Avatar (wenn sie daran auch nie ganz heranreichen), vor dem Hintergrund einer (zumindest) dünnen Story mit einer (äußerst) fragwürdigen Moral.

After Earth ist ein Film, an dem sich offenbar die Geister scheiden: Zwar bemängeln die meisten Rezensenten seine zweifelhafte Heldenmoral, doch tun sie das dann meistens mit dem extrem enervierenden Hinweis, dies sei ideologische Propaganda für Scientology, nur weil der Hauptdarsteller (Will Smith) ein paar Mal dieser amerikanischen Religionsgemeinschaft (hierzulande meist Sekte genannt) größere Spenden hat zukommen lassen. Besonders penetrant wird das hier und hier betrieben (da spielt der Film selbst kaum noch eine Rolle). Auf der anderen Seite hat der Film aber auch Fans, die ihr Lob dann aber auch gleich wieder hymnisch übertreiben (wie etwa der hier).

Das Böse ist überall im All

Natürlich wird es immer schwieriger, einen (auch nur halbwegs) originellen Film über alieneske Invasoren zu fabrizieren. Es ist einfach alles gesagt und gezeigt, und gezeigt und gesagt und noch einmal gesagt und gezeigt worden. Als Ausweg bleibt die Wiederholung, das Nachbeten, das Ausschlachten von bereits Bekanntem. Aber dabei lässt sich der Film Battleship (USA 2012) nicht lumpen: 200 Millionen Dollar Produktionskosten (und 3D) sorgen dafür, dass man zumindest optisch (sowie in Sachen Action) nicht zu kurz kommt.

Die Zeit, die bis zum ersten Auftauchen der Aliens vergeht, immerhin 30 Minuten, wird genutzt, um die Ideologie, die den zweistündigen Film zusammenhält, anhand der Personen vorzustellen: der Herumtreiber, der zum Eintritt in die Navy überredet wird (damit doch noch was aus ihm wird); der Held, der noch nicht ganz zu sich gefunden hat; der Krüppel, der über sich hinauswächst und so weiter. Das Schlachtfeld als Ort der Bewährung: wo ein Mann noch ein Mann ist bzw. zu einem werden kann (seit die Frau mehr oder weniger gleichberechtigt auf dem Schlachtfeld dazugekommen ist, hat sich an diesem Schwachsinn nichts geändert). Dazu gehört selbstverständlich auch das Hoch auf das US-Militär: „Ich“, sagt Admiral Shane, „begrüße Sie an Bord des großartigsten Schlachtschiffs in der Geschichte der US Navy: der USS Missouri.“ Er sagt das auf besagtem Schiff, dessen Klassenbezeichnung (Schlachtschiff) dem Film auch den Namen gibt (und das am Ende alles rausreißt). In der wirklichen Welt unterzeichneten auf der USS Missouri Vertreter Japans am 2. September 1945 die Kapitulation, womit der 2. Weltkrieg auch in Asien endete.

Die Aliens schlagen zu während des RIMPAC, eines Flottenmanövers im Pazifik (das es alle zwei Jahre auch in der wirklichen Welt gibt), an dem mehrere Nationen teilnehmen; im Film vor allem die USA und Japan. Eine Stunde nach ihrem ersten Auftauchen haben die Aliens einen Teil der Flotten durch eine Art Energieschirm isoliert und alle darin befindlichen Schiffe vernichtet. Alle? Natürlich nicht. Die USS Missouri (Baujahr 1940) steht als schwimmendes Museum noch heil am Kai. Aber nur unser American Hero, Leutnant Hopper, ist begeistert, weil er nicht aufgeben kann. Der Rest der Übriggebliebenen zeigt sich nicht ganz so angetan von dem Schiff, vor allem weil „alle Waffensysteme analog sind“.

Die letzte halbe Stunde des Films zeigt, wie diese schwimmende Antiquität die hochgerüsteten Aliens zum Teufel jagt, das heißt sie tötet, vernichtet, ausradiert. Legitimiert wird diese Schlächterei (wie die des Mittelteils, als die Aliens die Menschen töteten, vernichteten, ausradierten) mit einer Ideologie, die in den 1990ern ihren Höhepunkt erreichte (und die auch die Naturwissenschaften infizierte bzw. verseuchte): Wenn Aliens den beschwerlichen Weg Richtung Sonnensystem gegangen sind, war das so gigantisch aufwendig, dass es praktisch keinen Rückweg gibt. Sie können also gar nichts anderes im Sinn haben, als die Menschheit zu vernichten. Independence Day war der Film, der uns das vorführte. Battleship zeigt es über 15 Jahre später noch einmal.

Wer schon Independence Day für schwer erträglich in Sachen Patriotismus (amerikanisch), Opferbereitschaft und Durchhaltewillen (menschheitlich), Helden- und Kriegspathos und Einiges mehr gehalten hat, den belehrt Battleship eines Schlechteren: Es geht noch schlimmer. Zwar gibt es, dem Zeitgeist entsprechend, auch in Battleship immer wieder Ironie zu hören, meist in Form von Einzeilern – der schönste ist als Aufschrift auf einem Kriegsschiff zu lesen: In God we trust all others we track (Gott vertrauen wir, allem anderen gehen wir nach) –, aber der Witz wird in der Regel sofort abgewürgt und wir befinden uns wieder in irgendeiner Kampfhandlung. Die Verbissenheit, mit der in Battleship Menschheit gegen Aliens, Mann gegen Alien, menschliche Maschine gegen alieneske Maschine gekämpft wird, ist wirklich erstaunlich.

Genauso erstaunlich, wie der neue Trend zur analogen Gewalt im SciFi-Film: Man will wieder echte Kerle sehen und Dinge, die von echten Kerlen bedient werden. Und keine digitalen Maschinen, bei denen sich nichts bewegt und die nur von nerdigen Spinnern verstanden und benutzt werden können.  Auf der USS Missouri ist der Mann noch Mann und kein digitales Weichei. Lasst sie also kommen – wir hauen sie weg, und zwar mit den Fäusten und nicht mit Laserblastern und Photonentorpedos!

Die (Un-)Moral von der Geschicht: Wir (wir die Menschheit) mögen kriegs- und gewaltgeile, das heißt faschistische Arschlöscher sein, aber das ist nicht nur gut so, das muss auch so sein, denn die anderen da draußen sind nicht besser, können nicht besser sein: So ist nun mal der Lauf der Welt bzw. des ganzen Kosmos. Amen. Oder eben: In God we trust.

ФАНТОМ – The Darkest Hour (Film)

In der 14. Minute schlagen sie zu, und zwar hart, kompromiss- und mitleidlos, wie man das von Aliens so gewohnt ist. Optisch sieht das so ähnlich aus wie am Tag, als die Erde stillstand (2008): Millionen Nanoteilchen materialisieren und einverleiben sich die Körper des angegriffenen Menschen. Diesmal befinden wir uns allerdings nicht auf amerikanischem Gebiet, wie in den meisten Alienfilmen, sondern auf russischem, nämlich mitten in Moskau.

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Zwei junge amerikanische Programmierer reisen nach Moskau, um dort mit einer Handy-App (für amerikanische Touristen in Moskau) das große Geld zu machen, müssen aber feststellen, dass ihr einstiger Partner Skyler ihnen die Idee geklaut hat und schon dabei ist, sie an die Russen zu verscherbeln. Später treffen sie in einem Nachtclub zufällig auf Skyler. Bevor es aber zum Streit kommt, tauchen die Aliens über Moskau auf.
Unsere Freunde – die Programmierer, zwei amerikanische Touristinnen, die sie im erwähnten Nachtclub kennenlernten, sowie Skyler – überleben das Gemetzel, in das der erste Kontakt mündet, und können sich in die Küche des Nachtclubs flüchten. Nachdem die Vorräte aufgebraucht sind, beginnen sie, sich über menschenleere Straßen und Plätze zur amerikanischen Botschaft durchzuschlagen. Der (gottlob nicht allzu lange) Weg dorthin fällt vor allem durch einen Hänger im Drehbuch (Jon Spaihts) auf, denn die Leute sagen uns Zuschauern ständig, was wir sowieso im Bild sehen. Das einzig Bemerkenswerte ist, dass sich die Aliens Skyler schnappen.

Immerhin ist er nicht umsonst gestorben, da die Übriggebliebenen erkennen, was ihn  in die Arme der Aliens getrieben hat: Er hat ein beleuchtetes Fenster gesehen, hinter dem Menschen zu erkennen sind. Sofort macht man sich auf den Weg, um dort Bundesgenossen zu finden. Und die findet man auch: Ein Trupp aufrechter Russen, die sich – mit ein paar schweren Schusswaffen bestückt – der Alienübermacht stellen. So wie diese ihre Heimat, Moskau, gegen die Fremden verteidigen, so wollen die Amerikaner zurück in ihre Heimat, um das Gleiche zu tun. Dazu müssen sie aber zum Hafen, wo – wie sie aus dem Radio erfahren haben – ein amerikanisches U-Boot liegt.

Die zweite Hälfte des Films besteht folglich darin, wie sich Russen und Amerikaner Hand in Hand durch ein von Aliens besetztes, zerstörtes, fast völlig entvölkertes Moskau (vor der Invasion lebten hier über 11 Millionen Menschen) zum rettenden U-Boot kämpfen. Das Drehbuch hat auch bei diesem Weg ein paar Hänger, aber immer seltener und immer kürzere. Sie fallen angesichts der Kämpfe, die man mit einzelnen Aliens immer wieder auszufechten hat, kaum auf. Es gibt also viel Action –  die nicht alle Kämpfer überleben – und ein Ende, das (wie die meisten Invasionsfilme) ganz und gar darin aufgeht, den menschlichen Überlebenswillen zu beschwören.

Fazit 1: Die Optik des Films ist überzeugend. Aber vielleicht wär’s nicht schlecht gewesen, wenn man von den 30 Millionen Dollar, die der Film gekostet haben soll, ein paar mehr davon ins Drehbuch investiert hätte. Dass Jon Spaihts mehr kann, als er hier liefert, beweist er als (Co-)Drehbuchautor von Prometheus, dem neuesten Film von Ridley Scott (der am 9. August 2012 in die deutschen Kinos kommt).

Fazit 2: Diese Kritik ist einen Tick zu hart, diese etwas moderater, auf den Punkt (und auf englisch) bringt es diese hier (unter User Reviews): Die Trailer versprechen genau das, was der Film hält. Oder anders ausgedrückt: Wer die Trailer gut findet, wird auch den Film mögen.